Aus: Ausgabe vom 25.09.2017, Seite 15 / Politisches Buch

Geschichtsmächtiges Werk

Marxistische Blätter über 150 Jahre »Das Kapital«

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Die Marxistischen Blätter machen die Erstveröffentlichung des Hauptwerks von Karl Marx »Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie« vor 150 Jahren zum Thema.

Einleitend erläutert Alexander B. Voegele zwei Grundbestimmungen des Marxschen Werks: »Kapitalismus ist einmal Arbeitsteilung, zum anderen Privateigentum an Produktionsmitteln mit dem doppelt freien Lohnarbeiter«, schreibt er. Voegele unterstreicht die Aktualität dieser Grundannahmen mit Beispielen aus der Wirtschaftspolitik.

Ausführlich erörtert Holger Wendt die Entstehungsgeschichte des »Kapitals«, indem er die geistigen Väter der »Klassischen Nationalökonomie« vorstellt. »Sie hat die Arbeit als Quelle des Reichtums identifiziert, als die wertschöpfende Kraft begriffen, Arbeitswerttheorien hervorgebracht. Sie hat die Produktion des gesellschaftlichen Reichtums als komplexen Reproduktionsprozess beschrieben, die Klassenstruktur der Gesellschaft aufgedeckt, die Verteilung des Reichtums der verschiedenen Klassen analysiert«, schreibt Wendt. »Marxistinnen und Marxisten sollten dieses Erbe nicht liegen lassen, sie brauchen es. Nicht nur um zu wissen, wie kläglich sich die heutige Wirtschaftswissenschaft ausnimmt im Verhältnis zu dem, was bürgerliche Ökonomen einst zu denken wagten. (…) Sie brauchen es zudem, weil Marx besser zu verstehen ist, wenn die politische Ökonomie verstanden wird, die er in seinem Hauptwerk so geschichtsmächtig kritisiert hat.«

Detailreich schildert Eike Kopf, wie sich Marx am »Kapital« abarbeitete. Schon in seinem Abituraufsatz habe der 17jährige geschrieben: »Die Hauptlenkerin aber, die uns bei der Standeswahl leiten muss, ist das Wohl der Menschheit, unsere eigene Vorstellung. (…) Die Natur des Menschen ist so eingerichtet, dass er seine Vervollkommnung nur erreichen kann, wenn er für die Vollendung, für das Wohl seiner Mitwelt wirkt.« Zehn Jahre später seien sich Marx und Friedrich Engels einig gewesen: Wenn nicht Mangel und Notdurft bei Teilen der Menschheit herrschen sollten, mache ein neuer Zivilisationstyp im Vergleich zur kapitalistischen Produktionsweise eine universelle Entwicklung der Produktivkräfte nötig.

Thomas Kuczynski schreibt über die Erstausgabe und ihre weitere Bearbeitung durch Marx selbst, Georg Fülberth zeichnet die Geschichte der »Kapital«-Rezeption seit 1867 nach, und Karl Reitter setzt sich kritisch mit der Rezeption des »Kapitals« durch die sogenannte Neue-Marx-Lektüre auseinander.

Neben dem Schwerpunkt gibt es zwei Beiträge der Marx-Engels-Stiftung über Clara Zetkin. Heinz Karl charakterisiert Zetkin folgendermaßen: »Von Anfang an wirkte sie leidenschaftlich darauf hin, dass die KPD sich als Massenpartei verstand und als solche effektiv wirkte, bekämpfte sie mit aller Energie Sektierertum und pseudolinken Verbalradikalismus.« Zudem werden aktuelle politische Auseinandersetzungen im Heft erörtert. Manfred Idler berichtet über den 14. Parteitag der Kommunistischen Partei Südafrikas. Nick Wright, Autor des britischen Morning Star, wendet sich gegen die ultralinke Position, den Kurs des Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn als »reaktionär« zu kennzeichnen, die die Plattform In Defence of Communism vertrete. (jW)

Marxistische Blätter, Heft 5/2017, 148 S., 9,50 Euro, Bezug: Marxistische Blätter, Hoffnungstr. 18, 45127 Essen, E-Mail: redaktion@marxistische-blaetter.de


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