Aus: Ausgabe vom 25.09.2017, Seite 8 / Ansichten

Eigentorschütze des Tages: Donald Trump

Von Felix Jota
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Wenn er nicht qua Amt die Macht hätte, eine Menge Porzellan zu zerschlagen, wäre es mit Donald Trump sehr unterhaltsam. Der US-Präsident torkelt durch die Weltpolitik wie ein besoffener Revolverheld, der jeden im Saloon anrempelt, den er kriegen kann. Nur wenige Tage nach seinem HB-Männchen-Auftritt bei der UNO legte er sich am Wochenende mit Superstars der heimischen Profiligen im Football (NFL) und im Basketball (NBA) an.

In Huntsville im Bundesstaat Alabama beleidigte Trump Footballspieler, die sich aus Protest beim Abspielen der Hymne vor dem Match hinknien statt, wie üblich, aufzustehen. Vor Anhängern forderte er die Klubbesitzer auf, solche »Hurensöhne« sofort vom Feld zu holen. Anschließend legte er auf Twitter nach: Wenn ein Spieler »das Privileg wolle, Millionen Dollar (…) zu machen«, dann müsse er sich während der Hymne erheben: »Wenn nicht, bist du gefeuert!« NFL-Star Colin Kaepernick hatte sich im August 2016 als Zeichen gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner während der Hymne hingekniet. Mehrere andere Spieler haben sich seitdem vor Spielbeginn ähnlich verhalten.

»The Donald« legte sich, wo er schon mal dabei war, auch noch mit der NBA an. Per Twitter zog er eine Einladung an das Meisterteam der »Golden State Warriors« aus dem kalifornischen Oakland ins Weiße Haus zurück, nachdem Teamkapitän Stephen Curry öffentlich überlegt hatte, das Treffen abzusagen. NBA-Superstar LeBron James twitterte zurück. »Du Penner, Stephen Curry hat doch längst gesagt, dass er nicht erscheint. (…) Ins Weiße Haus zu kommen war eine große Ehre, bis Du aufgetaucht bist«.

Ob der Streit mit den NFL- und NBA-Stars Trump gut bekommt, ist fraglich. Während er in Sachen Flüchtlingsabwehr oder Demokraten-Bashing auf breite Zustimmung setzen kann, erfreuen sich die Spitzensportler in den USA parteiübergreifend enormer Beliebtheit.

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