Aus: Ausgabe vom 23.09.2017, Seite 7 / Ausland

Erdogan ließ wieder prügeln

Präsidenten der USA und Türkei üben demonstrativen Schulterschluss in New York

Von Nick Brauns
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Staatliche Schläger: Leibwächter von Erdogan attackieren in New York einen Demontranten (21.9.2017)

Erneut haben türkische Sicherheitsleute in den USA zugeschlagen. Leibwächter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan haben bei dessen New-York-Besuch anlässlich der UN-Vollversammlung Demonstranten verprügelt. Während einer Rede Erdogans in einem Hotel am Time Square am Donnerstag rief der US-Amerikaner Lucas Chapman: »Terrorist, raus aus meinem Land«. Der Mann ist ein ehemaliger Freiwilliger aus den Reihen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG in Syrien, der gegen den »Islamischen Staat« (IS) gekämpft hatte.

Erdogans Bodyguards griffen ihn und einen Besucher der Veranstaltung daraufhin an, wie in einem vom offiziellen US-Auslandssender Voice of America verbreiteten Video zu sehen ist. Der Ex-YPG-Kämpfer und ein weiterer Mann, der eine kurdische Fahne hochhielt, wurden aus dem Raum geprügelt.

Erst im Mai hatten 19 Mitarbeiter Erdogans mehrere kurdische Demonstranten vor der türkischen Botschaft in Washington angegriffen. Gegen 15 der Sicherheitsleute wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Zwei wurden bereits festgenommen.

Außerdem sollen die Leibwächter Erdogans vorerst keine Waffenlieferungen mehr aus den USA erhalten. Washington habe entsprechende Waffenverkäufe eingefroren, teilten die Senatoren Patrick Leahy und Christopher Van Hollen vom zuständigen Ausschuss am Montag in Washington mit. Davon betroffen ist unter anderem der Rüstungskonzern SIG Sauer, bei dem Ankara eine Bestellung in Höhe von 1,2 Millionen US-Dollar (rund eine Million Euro) aufgegeben hatte.

US-Präsident Donald Trump hatte den Vorfall, der zeitweise das Verhältnis beider Staaten belastet hatte, im Vorfeld des aktuellen Besuchs des türkischen Präsidenten ausdrücklich bedauert. »Erdogan ist mein Freund geworden«, erklärte Trump nun nach einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten am Rande der UN-Vollversammlung. »Ich glaube, wir stehen uns jetzt so nah wie noch nie.«

In einer Presseerklärung des Weißen Hauses von Freitag hieß es, die beiden Präsidenten hätten die »strategische Partnerschaft« zwischen den USA und der Türkei bekräftigt. Gemeinsam sprachen sie sich gegen das für Montag angesetzte Unabhängigkeitsreferendum der Kurdischen Regionalregierung im Irak aus und forderten »alle kurdischen Führer« auf, statt dessen den Weg »intensiver Verhandlungen« zu gehen.

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