Aus: Ausgabe vom 23.09.2017, Seite 1 / Ausland

Pjöngjang weist Trumps Drohungen zurück

US-Präsident will Nordkorea »total zerstören«. Dieses kündigt möglichen Wasserstoffbombentest an

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Ein Archivfoto von Kim Jong Un bei der Inspektion eines Wasserstoffbombensprengkopfes ist am 22. September in Seoul auf einem Bildschirm zu sehen

Nach der Kriegshetze des US-Präsidenten Donald Trump gegen die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) hat Pjöngjang in Erwägung gezogen, eine Wasserstoffbombe über dem Pazifik zu testen. Der Außenminister der DVRK, Ri Yong Ho, sagte laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap in New York, der nächste Atomtest Nordkoreas könne die bisher »stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe« im Pazifischen Ozean sein. Er wisse aber nicht, wie der Befehl Pjöngjangs lauten wird, wurde Ri zitiert. Im Pazifik unterhalten die USA Militärstützpunkte, unter anderem auf Guam.

Staatschef Kim Jong Un erklärte am Freitag bezogen auf Trump und dessen Drohungen in einer persönlichen Stellungnahme: »Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen.« Trump hatte am Dienstag in der UN-Vollversammlung gedroht, die DVRK bei einem Angriff »total zu zerstören«. Kim erklärte, der US-Präsident müsse seine Drohungen »teuer bezahlen«.

Russland rief die Beteiligten in dem Konflikt zur Zurückhaltung auf. »In Moskau herrscht große Sorge wegen der eskalierenden Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel«, sagte Dmitri Peskow, Sprecher des Präsidialamts. Russland sei weiterhin überzeugt, dass es keine Alternative zu einer Verhandlungslösung gebe, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Der Sprecher der deutschen Bundesregierung, Steffen Seibert, sprach in Berlin von einer »Eskalation der Rhetorik«. Er wies diese aber einseitig Pjöngjang zu. China rief die DVRK erneut dazu auf, das Atomprogramm aufzugeben. Außenminister Wang Yi sagte in New York: »Wir rufen Nordkorea dazu auf, nicht weiter in die eingeschlagene gefährliche Richtung zu gehen.«

Nach den USA kündigte auch die Europäische Union am Donnerstag abend neue Sanktionen gegen Pjöngjang an. Dabei soll es um ein Verbot von Investitionen in der DVRK für sämtliche Wirtschaftszweige gehen, wie es aus EU-Diplomatenkreisen hieß. Die EU will die neuen Sanktionen im Oktober verabschieden.


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