Aus: Ausgabe vom 14.09.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Hightech-Kriegsflotte für die Bundeswehr

Milliardendeal mit Werftenkonsortium. Marine bekommt hochgerüstete Korvetten

Von Susan Bonath
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Neues Kriegsgerät für »Einsätze« in aller Welt: Eine Korvette vom Typ K 130 auf der Lürssen-Werft in Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern)

Nach längerem Streit darüber, wer von der weiteren Aufrüstung der Marine profitieren soll, hat die Bundeswehr den Bau von fünf neuen Korvetten für rund zwei Milliarden Euro nun in Auftrag gegeben. Wie das zuständige Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) am Dienstag abend mitteilte, wurde ein Vertrag mit einem Konsortium unterzeichnet, das die Werften Lürssen in Bremen, Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel und German Naval Yards mit Hauptsitz in Rendsburg gebildet hatten. »Wir beschaffen bewährte Boote mit erneuerter Technik«, erklärte der Vizepräsident der Behörde, Armin Schmidt-Franke, gegenüber dpa.

Bei den Kriegsschiffen handelt es sich um Korvetten vom Typ K130. Die Unternehmen sollen sie zwischen 2022 und 2025 an die Marine übergeben. Dieser zufolge sind die Schiffe für den Einsatz in küstennahen Gewässern »insbesondere im Rahmen multinationaler Krisenreaktionskräfte« vorgesehen. Sie seien größer als die Schnellboote und könnten ähnliche Aufgaben ausführen wie eine Fregatte. Allerdings böten sie nur Platz für bis zu 58 Besatzungsmitglieder. Die könnten ohne Nachschublieferungen bis zu sieben Tagen auf See bleiben. Aufgrund »moderner Ausstattung mit hohem Automatisierungsgrad« kämen die Korvetten mit weniger Personal aus.

Die knapp 90 Meter langen und bis zu 26 Knoten (48 Stundenkilometer) schnellen Schiffe sind laut BAAINBw unter anderem mit einem 76-Millimeter-Geschütz, zwei Schnellfeuerkanonen und Startbehältern für verschiedene Lenkraketen ausgestattet. Statt Hubschrauber sollen sie Marinedrohnen erhalten. Schmidt-Franke lobte: »Wir versetzen die Deutsche Marine in die Lage, ihre gestiegenen Verpflichtungen innerhalb des Bündnisses mit Booten, die sich in zahlreichen Einsätzen bestens bewährt haben, zu erfüllen.«

Der Milliarden-Deal ist Teil einer »wahren Aufrüstungsorgie«, wie die Linksfraktion im Bundestag kritisierte. Anfang August hatte das Parlament mit den Stimmen von CDU, CSU und SPD beschlossen, 13,5 Milliarden Euro in neue Rüstungsgüter für die Bundeswehr zu stecken.

Ende 2016 war um den Korvetten-Auftrag ein Streit zwischen den Unternehmen und dem Verteidigungsministerium entbrannt. Das Ministerium hatte die Schiffe im Herbst bei den Werften Thyssen-Krupp und Lürssen bestellt. Ausgeschrieben hatte die Behörde den Auftrag allerdings nicht, was dem Konkurrenten German Naval Yards missfiel. Die Rendsburger wollten mitverdienen und beschwerten sich deshalb beim Kartellamt. Dieses gab der Werft im Mai schließlich Recht und sah einen Verstoß gegen das Vergaberecht. »Auch Militärausrüstung muss im Wettbewerb beschafft werden«, erklärte damals der Präsident des Kartellamtes, Andreas Mundt. Der Auftrag wurde daraufhin vorläufig gestoppt. Um den Deal nicht zu gefährden, bewegten sich Thyssen-Krupp und Lürssen auf German Naval Yards zu. Sie boten der Werft an, in das Konsortium einzusteigen und sie mit 15 Prozent am Umsatz zu beteiligen. Das Kartellamt lenkte schließlich ein und gab im Juli grünes Licht.

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