Aus: Ausgabe vom 09.09.2017, Seite 8 / Inland

»Für Solidarität und Gleichberechtigung«

Neben Protesten gegen die AfD wird es am Sonntag in Köln ein antirassistisches Benefizfestival geben. Gespräch mit Markus Hemken

Interview: Markus Bernhardt
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Ihre Initiative engagiert sich seit Jahren gegen Rechtspopulismus. Nun mischen Sie sich in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfes ein. Wodurch genau?

Für den Endspurt des Bundestagswahlkampfes haben wir noch einmal 100.000 Bierdeckel mit der Aufschrift »Kein Kölsch für Nazis« nachdrucken lassen. Diese werden an die Dutzenden Gaststätten, Kneipen und Biergärten verteilt, die unser Projekt unterstützen.

Verstehe ich Sie richtig, dass Sie das Erstarken der politischen Rechten mit der Verteilung von Bierdeckeln stoppen wollen?

Natürlich nicht. Mit der Verteilung der Bierdeckel wollen wir politische Diskussionen in der Bevölkerung befördern und zugleich ein klares State­ment gegen Nazis und Rassisten abgeben, welches so auch von den jeweiligen Wirten, die die Bierdeckel nutzen, vertreten wird.

Wir haben ansonsten diverse Kundgebungen und Demonstrationen gegen rechts unterstützt und auch selbst welche organisiert. Am Sonntag veranstalten wir gemeinsam mit der Südstadtgruppe der Initiative »Kein Veedel (Stadtviertel, jW) für Rassismus« ein antirassistisches Benefizfestival unter dem Motto »Herz statt Hetze!«

Wohin sollen die Erlöse fließen?

Sie werden an die Seenotrettung »Sea-Watch« gespendet. »Sea-Watch«-Aktivistinnen und -Aktivisten werden am Sonntag – genauso wie andere Initiativen – mit einem Infostand zugegen sein. Uns ist es wichtig, dem Ertrinken von Menschen, die vor Krieg, Terror und Armut fliehen, nicht tatenlos zuzuschauen. Wir wollen diejenigen mit unseren bescheidenen Mitteln unterstützen, die konkret helfen, Leben zu retten – und die in ihrer Arbeit, und das ist das wirklich Perfide, noch Angriffen und Diffamierungen aus der Bundesregierung ausgesetzt sind. Von Attacken der extremen Rechten einmal ganz zu schweigen.

Vor dem Beginn des von Ihnen veranstalteten Festivals rufen Sie auch noch zu Protesten gegen die Anhänger und Organisatoren der sogenannten Demo für alle auf. Was hat es damit auf sich?

Bei dem Netzwerk »Demo für alle« handelt es sich um Personen, die maßgeblich gegen die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Trans- und Intersexuellen hetzen. In der Vergangenheit sind sie bereits mehrfach – teils mit mehreren tausend Unterstützern – aufmarschiert. Das Netzwerk speist sich aus deutsch-nationalen Spießbürgern, selbsternannten »Lebensschützern«, sprich Abtreibungsgegnern, christlichen Fundamentalisten, anderen Reaktionären, teils extremen Rechten und der AfD. Aktuell führen diese Ewiggestrigen eine Bustour durch mehrere bundesdeutsche Städte durch. Am Sonntag wollen sie am Bahnhofsvorplatz in Köln Halt machen. Ihre Hasstour steht unter dem Motto »Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder«. Wir werden diese Herrschaften mit unserem Protest konfrontieren. Sie sollen mit ihrer menschenverachtenden Hetze nirgendwo auftreten können, ohne auf Widerspruch zu stoßen. Das hat bisher auch gut funktioniert. So haben in Stuttgart und München, wo der Bus der Fundamentalisten Station machte, viele Menschen erfolgreich gegen die Rechten protestiert.

Werden Sie Ihr Engagement gegen rechts auch nach der Bundestagswahl weiterführen?

Wie gesagt, uns ist es wichtig, dass die Rechten nirgendwo ungestört auftreten können. Wir stehen für ein völlig anderes Menschenbild und Wertesystem. Wir stehen für Solidarität, Empathie und Gleichberechtigung. Also für alles, wofür weder die AfD noch die anderen Rechten oder die Homohasser stehen. Insofern werden wir überall dort sein, wo diese Leute versuchen, Menschen gegeneinander auszuspielen oder gegen sogenannte Minderheiten hetzen.

Markus Hemken ist einer der Sprecher der Kölner Initiative »Kein Kölsch für Nazis«

Protest gegen die »Demo für alle«-Bustour: Sonntag, 10. September, 13 Uhr am Kölner Bahnhofsvorplatz

Festival »Herz statt Hetze«: Sonntag, 10. September, ab 14 Uhr am Bauspielplatz im Friedenspark Köln

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