Aus: Ausgabe vom 18.07.2017, Seite 16 / Sport

Soll ja Glück bringen

Von Gabriele Damtew
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Taktisches Geschick und gute Laune hat man auf Schalke länger nicht gehabt (der neue Trainer Domenico Tedesco im Gespräch mit Weston McKennie)

Hertha BSC gegen Rot-Weiß Erfurt und VfL Bochum gegen Carl Zeiss Jena? Wir befinden uns in der Saisonvorbereitung, meine Damen und Herren. Beim »Thüringer Mediencup« am vergangenen Wochenende kam zueinander, was kaum zusammengehört. Bochum spielt eine Liga höher als die beiden Thüringer Teams, Hertha gar in der Bundesliga.

Für Erfurt und Jena war das in vier Stadien ausgetragene Turnier die Generalprobe vor dem Drittligaauftakt Ende dieser Woche. Beide traten dabei nur gegen die höherklassigen Mannschaften an, nicht gegeneinander. Schade eigentlich, aber Liebhaber des thüringischen »Clásico« werden nach Jahren bitterer Abstinenz durch Jenas Aufstieg in die dritte Liga ja bald wieder auf ihre Kosten kommen.

In Gera wurden die Jenaer am Sonnabend vom VfL 2:5 abgefertigt, die Erfurter einen Tag später in Gotha gar mit 0:6 zermalmt. Auf Bochums Bank saß Trainer Ismail Atalan, keine Woche im Amt. Er führte in der vergangenen Saison die Sportfreunde aus dem westfälischen Lotte in die dritte Liga, besonders im DFB-Pokal verbreiteten sie Angst und Schrecken (erst im Viertelfinale gegen Dortmund war Schluss). Trotz des nur zwölften Platzes in der Liga erweckte Atalans zielstrebige Arbeit mit dem bescheidenen Kader Begehrlichkeiten des Managements höherer Klassen. Zweitligist Bochum bekam den Zuschlag, ein Malocher zum Malocherclub.

Atalans Einstand war mit dem Gewinn des Mediencups ein Triumph (Hertha gewann nur 3:0 und 2:0). Die Generalproben von Erfurt und Jena waren nicht so besonders. Soll ja Glück bringen.

Eine erfolgreiche Saison in der unberechenbaren dritten Liga kann Übungsleiter heutzutage nach oben katapultieren. Ein noch größerer Satz als Atalan gelang Dortmunds früherer Spielerikone Heiko Herrlich. In der dritten Liga erreichte er als Trainer von Jahn Regensburg verdient die Relegation und machte gegen1860 München den Aufstieg perfekt. Flugs wurde er von der Betriebssportgemeinschaft Bayer Leverkusen verpflichtet.

Nächstes Beispiel: Domenico Tedesco. Der Mann mit dem poetischen Namen (übersetzt: Sonntag Deutsch) rettete zuletzt Erzgebirge Aue vor dem Abstieg in Liga drei. Was ihn besonders auszeichnete, waren taktisches Geschick (Abschlussnote als Fußballehrer 1,0) und gute Laune. Genau, was uns seit Jahren fehlt, dachte sich wohl Schalkes Vorstand und engagierte den 31jährigen Nobody, der vor seinen paar Monaten in Aue als Jugendtrainer gearbeitet hatte, vom Fleck weg. Von einem ehemaligen Bergbauverein zum nächsten. Identitätsstiftende Maßnahmen im knallharten Profigeschäft. Glück auf.

Aues Neuer, Thomas Letsch, kommt aus Salzburg. Weniger Red Bull heißt auch weniger Kohle, aber dafür hat Letsch jetzt mehr Verantwortung. Im Testspiel am Sonntag gegen den ostdeutschen Europapokalsieger Magdeburg, immer noch unter Macher Jens Härtel, hielt die Elf, bei der stramm durchgewechselt wurde, bis zur 80. Minute mit. Dann machte Julius Düker gekonnt (rechts links) den Treffer des Tages für Magdeburg.

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