Aus: Ausgabe vom 08.07.2017, Seite 7 / Ausland

»Sehr strenge Maßnahmen«

Korea-Konflikt: Donald Trump droht Pjöngjang. Spekulationen über neue Raketen der DVRK

Von Knut Mellenthin
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Nordkoreas Rakete Hwasong-14 während eines Tests am Mittwoch

Die US-Regierung hat noch nicht entschieden, wie sie auf den letzten nordkoreanischen Raketentest antworten will, scheint sich aber »alle Optionen offenhalten« zu wollen. Präsident Donald Trump sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Warschau, er ziehe »sehr strenge Maßnahmen« in Erwägung, wollte sich aber nicht genauer äußern.

Washingtons Vertreterin im UN-Sicherheitsrat, Nikki Haley, war am Mittwoch während einer Dringlichkeitssitzung des Gremiums etwas deutlicher geworden: Die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung verringere sich schnell. Die USA seien »darauf vorbereitet«, gegen die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) »die gesamte Spannbreite unserer Fähigkeiten zu nutzen. Eine unserer Fähigkeiten besteht in unseren beträchtlichen militärischen Kräften. Wir werden sie einsetzen, wenn es sein muss, aber wir würden es vorziehen, nicht in diese Richtung zu gehen.«

Stattdessen, so Haley, könnten die USA auch ihren Handel mit Ländern verringern, die unter Verletzung von UN-Resolutionen geschäftliche Beziehungen zur DVRK aufrechterhalten. Gemeint ist China, mit dem Nordkorea rund 90 Prozent seines Außenhandels abwickelt. Indessen ist Haley, die zuvor noch nie im Leben einen diplomatischen Job hatte, für ihren eigenen aggressiven Stil bekannt. Sie ist keine Person, die nur Botschaften von Trump oder von Außenminister Rex Tillerson abliest.

Die Streitkräfte der DVRK hatten am Dienstag eine Rakete getestet, über deren Reichweite immer noch Ungewissheit besteht. Nordkoreas staatliche Medien sprechen von einer ICBM, also einer Interkontinentalrakete. Dagegen teilten die Verteidigungsministerien der USA und Russlands übereinstimmend mit, es habe sich lediglich um eine Mittelstreckenrakete gehandelt. Die Grenze zwischen beiden liegt definitionsgemäß bei 3.400 Meilen oder 5.500 Kilometern.

Die Reichweite ist allerdings nur schwer und offenbar nicht eindeutig zu schätzen, weil die Rakete sich in einer sehr steilen Flugbahn bewegte. Schon die grundlegenden Zahlenangaben weichen voneinander ab: Die DVRK meldete, dass die Rakete eine maximale Höhe von 2.802 Kilometern und eine Flugweite von 933 Kilometern erreicht habe. Dagegen geht das Moskauer Verteidigungsministerium aufgrund der Daten des russischen Frühwarnsystems nur von 535 Kilometern Höhe und 510 Kilometern Flugweite aus.

Einige Experten meinen, aus der Berechnung der Flugbahn schließen zu können, dass die getestete Rakete eine Reichweite von mindestens 4.000 Meilen oder 6.440 Kilometern haben könnte und damit im Sinn der üblichen Definition wirklich als Langstreckenrakete zu gelten habe. Sie könne theoretisch Alaska erreichen, aber keinen anderen Bundesstaat der USA, auch nicht die Inselgruppe Hawaii.

Allgemein wird angenommen, dass die DRVK bisher nicht über die Fähigkeit verfügt, Nuklearsprengköpfe so zu miniaturisieren, dass sie von einer ICBM transportiert werden könnten. Zumindest gebe es dafür keine Anzeichen. Die Experten stimmen aber überein, dass Nordkorea – in Massenmedien gern als »steinzeitlich« verhöhnt – seine Raketentechnik sehr viel schneller entwickelt habe, als man es vorausgesehen hatte.

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