Aus: Ausgabe vom 01.07.2017, Seite 1 / Inland

Geheimdienste waren früh gewarnt

Medienbericht: MAD wusste im Januar von geplantem Angriff auf deutsche Botschaft in Kabul

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Deutsche Botschaft in Kabul am 31. Mai

Die deutschen Geheimdienste wussten laut einem Medienbericht schon Anfang des Jahres von Plänen für einen Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul. Sie hätten bereits zu Jahresbeginn einen Hinweis darauf erhalten, dass ein Anschlag auf die Botschaft in der afghanischen Hauptstadt bevorstehen könnte, berichtete das RBB-Inforadio am Freitag auf seiner Website unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) sei sogar schon im Januar darüber informiert gewesen, dass der Anschlag mit einem Tanklastwagen geplant war, hieß es in dem Bericht. In den darauffolgenden Wochen habe es weitere entsprechende Hinweise gegeben. Der Bundesnachrichtendienst habe sechs Tage vor dem Attentat schließlich eine konkrete Warnung herausgegeben.

Bei dem Anschlag in der Nähe der deutschen Botschaft waren am 31. Mai mindestens 150 Menschen getötet worden, unter ihnen zwei afghanische Wachleute der diplomatischen Vertretung. Das Botschaftsgebäude wurde bei der Attacke schwer beschädigt. Die Sprengladung war nach RBB-Informationen deutlich größer als bisher bekannt: Während zunächst von etwa tausend Kilogramm Sprengstoff die Rede war, hätten sich tatsächlich zehn Tonnen in dem Tank befunden.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa hatte der MAD bereits am 18. Januar, also gut fünf Monate vor dem Anschlag, von einer Quelle einen Hinweis auf den Anschlagsplan erhalten. Schon zu diesem Zeitpunkt sei die Rede davon gewesen, dass ein Anschlag auf die deutsche Botschaft mit einem Tanklastwagen zur Abwasserentsorgung geplant sei. In den darauffolgenden Wochen gab es insgesamt drei weitere Warnhinweise, zwei davon von ausländischen Nachrichtendiensten, berichtete der RBB. Der BND habe schließlich sechs Tage vor dem Anschlag, am 25. Mai, erneut vor einem geplanten Anschlag auf die Botschaft gewarnt. Am 31. Mai schließlich habe der Fahrer eines Lastwagens zur Abwasserentsorgung versucht, auf das Botschaftsgelände zu gelangen. (AFP/dpa/jW)

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