Aus: Ausgabe vom 20.06.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Neue Perle für »Silicon Saxony«

»Größte Einzelinvestition« in Unternehmensgeschichte: Bosch baut Chipfabrik in Dresden

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Bosch-Vertreter Dirk Hoheisel, Staatssekretär Matthias Machnig vom Bund und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (v.l.) am Montag in Berlin

Dresden statt Shenzen oder Osaka? Der Technologiekonzern Bosch (Robert Bosch GmbH) steckt eine Rekordsumme in den Bau einer neuen Halbleiterfabrik in der sächsischen Landeshauptstadt. Die Investition belaufe sich auf eine Milliarde Euro, teilte das Unternehmen am Montag in Berlin mit. »Die neue Fertigung für Halbleiter ist die größte Einzelinvestition in der mehr als 130jährigen Geschichte von Bosch«, erklärte Unternehmenschef Volkmar Denner.

Versüßt wird das Ganze zwar durch Hilfen des Staates – der Bund will 200 Millionen Euro beisteuern, der Freistaat eine etwas geringere Summe. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,3 Milliarden Euro sprengt das Vorhaben die für Deutschland inzwischen üblichen kargen Dimensionen für neue industrielle Fertigungsanlagen. Bis zu 700 Arbeitsplätze sollen entstehen, der Baubeginn spätestens Anfang 2018 erfolgen. Der Produktionsstart ist für 2021 geplant.

Die Begründung Boschs für den Griff in die Firmenschatulle klingt plausibel, und sie macht zugleich klar, dass das individuelle Fahren allmählich durch immer mehr Computersteuerung »erleichtert« und später wohl völlig abgeschafft werden soll: Der Bedarf an Mikroprozessoren (Chips) des weltgrößten Autozulieferers steige »mit dem wachsenden Bedarf an Technik für vernetzte Fahrzeuge oder Alltagsgegenstände«, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag schreibt.

Das Unternehmen aus Gerlingen im Speckgürtel Stuttgarts betreibt bereits eine Chipfabrik in Reutlingen. Zudem zählt der breit aufgestellte Familienkonzern zu den führenden Sensorenherstellern. »Wichtig für uns ist, dass wir Halbleiter selbst machen«, zitiert Reuters Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel, der sein Unternehmen als weltweite Nummer fünf im Bereich der »Automotive-Halbleiter« sieht.

Dresden hat sich in einem internationalen Standortwettbewerb gegen zahlreiche Konkurrenten durchgesetzt – was die dort Regierenden ebenfalls glücklich macht: »Uns ist ein Riesencoup gelungen«, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Sachsen hat als »Silicon Saxony« viele Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen angelockt. Hersteller, Dienstleister und Hochschulen sind im gleichnamigen Verein zusammengeschlossen. Nach dessen Angaben beschäftigen die 320 Mitgliedsunternehmen rund 20.000 Mitarbeiter. Zu den größten Chipherstellern am Ort gehören Infineon, Globalfoundries und die niederländische NXP. (Reuters/jW)

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