Aus: Ausgabe vom 19.06.2017, Seite 12 / Thema

Tropfen auf den heißen Sand

Bis zum Jahr 2030 soll die Wasserarmut, die im subsaharischen Afrika besonders groß ist, beendet werden. Angesichts mannigfaltiger Probleme scheint das nicht realistisch

Von Christa Schaffmann
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Um die Familien mit Wasser zu versorgen, müssen oft große Wege zurückgelegt werden – zwei Frauen warten an einer Wasserstelle in Äthiopien (26.1.2016)

Von den 7,5 Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, haben 663 Millionen keinerlei Zugang zu Wasser, das man als trinkbar bezeichnen könnte. So heißt es im Weltwasserbericht, den die UNESCO im März dieses Jahres veröffentlichte. Und 500 bis 750 Millionen Menschen steht allein Wasser aus »verbesserten« Anlagen wie ummauerten, aber offenen Brunnen zur Verfügung. Bei den regelmäßig zu diesem Thema veröffentlichten Zahlen werden zudem auch die Menschen als »versorgt« gezählt, deren Anlagen wegen fehlender Wartung längst kaputt sind. Hinzu kommt: 2,4 Milliarden Menschen verfügen über keine angemessene sanitäre Grundversorgung, fast eine Milliarde Menschen muss ihre Notdurft im Freien verrichten. Vor diesem Hintergrund muss das in der 2015 auf einem Gipfel der Vereinten Nationen von allen Mitgliedstaaten verabschiedeten »Agenda 2030« unter Punkt sechs angeführte Ziel, die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung bis 2030 für alle zu erreichen, als äußerst ambitioniert bezeichnet werden.

Bei den Größenordnungen der genannten Zahlen versagt das menschliche Vorstellungsvermögen. Die Realität in den Slums zum Beispiel von Daressalam dagegen überwältigt. In der tansanischen Hauptstadt gibt es davon mehrere. Von geschätzt 4,5 Millionen Einwohnern der Metropole leben etwa drei Millionen in diesen Wohngebieten ohne Kanalisation und andere Infrastruktur. Sie bilden ein Labyrinth aus Gassen und Hütten. Überall liegt Müll herum, Abwässer fließen durch offene Gräben und verbreiten Gestank. Und was schlimmer ist, sie verbreiten auch Cholera und Typhus und verursachen Haut­ekzeme. In der Regenzeit werden die Latrinen geflutet. Dann waten Menschen auch schon mal durch die Fäkalien; der Strom der Exkremente fließt bis ins Meer.

Entsorgung auf Rädern

Die Stadt stellt Trucks zur Verfügung, die Abwasser abpumpen. Aber die Gassen in den Slums sind mehrheitlich zu schmal für die Fahrzeuge. So kam die in Bremen seit 40 Jahren ansässige BORDA e. V. (Bremen Overseas Research and Development Association) auf die Idee, ein Projekt »Entsorgung auf Rädern« mit einem kleinen schmalen Traktor aufzulegen. 14.000 Haushalte profitieren inzwischen davon. Und nicht nur sie: Auch der inzwischen zum Kleinunternehmer gewordene Treckerfahrer, auf den die Menschen heute warten wie früher auf die Regenzeit, verdient damit etwas Geld und kann seine Kinder zur Schule schicken. Er ist zu einer bekannten Persönlichkeit geworden. Das Abwasser befördert er zu einer kleinen Kläranlage, wo es gereinigt wird. Am Ende eignet es sich zur Bewässerung einer Bananenanpflanzung. Das wiederum verschafft dem Betreiber der Kläranlage ein Einkommen. Zusätzlich wird mit einem Teil der Fäkalien Biogas produziert. Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt das Projekt mit einer Million Dollar.

Ein schon etwas älteres Projekt ist das »Projet Hydraulique Villageoise« in der Region Mayo Kebbi am gleichnamigen Fluss in Tschad. Es ist das Ergebnis einer deutschen Kooperation mit dem zentralafrikanischen Binnenstaat. Mit der Abwicklung wurde die Firma CES – Consulting Engineers Salzgitter aus Braunschweig – vom tschadischen Wasserministerium und der Entwicklungsbank der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beauftragt. Mayo Kebbi liegt im Südwesten des Tschad. Als das Projekt startete, war der Mangel an sauberem Trinkwasser besonders groß. Die Menschen versorgten sich und ihre Tiere aus dem gleichnamigen Fluss, aus Bächen, Seen und zahlreichen »Mares«; das sind Wasserteiche, die während der Regenzeit in Bodensenken entstehen und danach wieder austrocknen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) legte großen Wert auf die Beteiligung der örtlichen Bevölkerung. Wasserrelevante Entscheidungen sollen – so zumindest die Theorie – auf der niedrigsten Ebene getroffen werden. Der Gedanke dahinter ist, dass sich durch die Partizipation so etwas wie Eigentümerbewusstsein entwickle, was zur sorgsamen Erhaltung und Pflege der Brunnen führen soll. Auch der Genderaspekt soll Berücksichtigung finden, sind es doch die Frauen, die das Wasser für die Familien kilometerweit tragen und oft für den Fall, dass Kosten entstehen, diese auch aus eigenen Einnahmen bezahlen müssen. Ein Nutzerkomitee wurde gebildet, das im Auftrag der lokalen Bevölkerung perspektivisch für den Betrieb und die Wartung der Handpumpen die Verantwortung übernehmen sollte. In seinem Buch »Trinkwasser für Mayo Kebbi« aus dem Jahr 2011 schildert der Hamburger Ethnologe und Islamwissenschaftler Frank Bliss die Mühen und die Hürden, die für den Erfolg des Projekts genommen werden mussten, und beschreibt, wie abschließend Relevanz, Effektivität, Effizienz sowie Auswirkungen des Projekts und seine Nachhaltigkeit geprüft und für gut befunden wurden. Ob und, wenn ja, wie stark die gewonnenen Erkenntnisse in Folgeprojekte einflossen, vermochte er nicht zu sagen. Formal tauchen viele Elemente in Projektbeschreibungen auf. In der Praxis scheint sich aber häufig die Arroganz der jeweiligen Entscheider durchzusetzen.

Interessenkonflikte

Wer das Buch liest, lernt viel. Mitglieder privater Initiativen, die Geld sammeln für einen Brunnenbau, damit eine Firma beauftragen und am Ende froh sind, wenn das erste Wasser fließt, sollten es eher nicht lesen. Es könnte sie entmutigen. Etwa die Hinweise darauf, dass umfangreiche sozialwissenschaftlich ausgerichtete Begleitmaßnahmen unerlässlich seien, das Hygienebewusstsein bei der dörflichen Bevölkerung nicht unterschätzt werden dürfe, die Auswahl der Standorte für die Handpumpen erst nach Prüfung der Wasserverfügbarkeit, der Konsequenzen für die Umwelt, der Größe des Dorfes sowie des Willens und der Bereitschaft der Bevölkerung zur Übernahme der Betriebsverantwortung erfolgen könne – und Partizipation in einem Land ohne demokratisches System extrem wichtig, aber zugleich zeitraubend und nervenzehrend ist.

Kein Wunder, dass viele kleinere und auch größere Projekte in der Vergangenheit an diesen Gegebenheiten trotz bester Absichten gescheitert sind. Wie aber soll in den kommenden Jahren funktionieren, was in den zurückliegenden nicht funktioniert hat? Nicht ändern kann man die Ressourcensituation und die geographischen Faktoren. »In den Sahelländern herrscht regional objektiver Wassermangel, das heißt: Oberflächengewässer fehlen, und Grundwasser ist nur schwer erschließbar«, so Frank Bliss, der auch als Gutachter in der sogenannten Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Ein weiterer die Wasserversorgung erschwerender Punkt ist die dünne Besiedlung vieler Gebiete Afrikas. Mindestens ebenso ins Gewicht fallen die geringen ökonomischen Ressourcen der Bevölkerung. Auch dort, wo Wasser vorhanden ist, können sich längst nicht alle Menschen deshalb eine Investition in geeignete Systeme zur Trinkwasserversorgung oder deren langfristigen Betrieb und Unterhalt leisten.

Erschwerend wirken sich auch die unterschiedlichen und zum Teil an nationalen Interessen orientierten Geberpolitiken aus. So ist die Technologieauswahl oftmals willkürlich oder folgt eigenen Geschäftsinteressen, was zu einem wenig praktischen Nebeneinander von Fabrikaten unterschiedlicher Hersteller führt. Kein afrikanisches Land und schon gar nicht einzelne Kommunen können für alle Produkte dieser Palette Ersatzteile bereithalten. Auch die wirtschaftliche Konkurrenz der sogenannten Geberländer untereinander wirkt sich nachteilig aus. So sorgte die Bundesrepublik Anfang der 2000er Jahre im nordwestafrikanischen Mali für die Bereitstellung von kostengünstigen Generika, was aber der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich missfiel. Die setzte sich schließlich durch, mit der Folge, dass heute wieder teure französische Medikamente den Markt dominieren.

Viele befestigte Brunnen, mit Handpumpen ausgestattete Bohrlöcher oder kleinere Versorgungssysteme, die in den vergangenen Jahren vom Staat oder durch die Entwicklungszusammenarbeit finanziert worden sind, funktionieren schon längst nicht mehr, weil die Kosten für die Wartung, für Ersatzteile oder für ihren Schutz nicht aufgebracht werden konnten. Viel Geld ist im wahrsten Sinn des Wortes in den Sand gesetzt worden, weil vor allem technischen Aspekten Aufmerksamkeit gewidmet wurde, nicht aber den sozialen. Genau deshalb, so Manuel Schiffler von der KfW-Entwicklungsbank, seien die Straßen gepflastert mit gescheiterten Projekten. »Das Geld für die Erhaltung muss irgendwo herkommen.« Stefan Reuter, Geschäftsführer von BORDA, betonte Ende Mai bei einem »Expertengespräch« zum Thema »Sauberes Wasser und sanitäre Grundversorgung« in der Bremer Landesvertretung in Berlin die Zuständigkeit der afrikanischen Regierungen; daran führe kein Weg vorbei.

Mangelndes Engagement

Er erinnert in diesem Zusammenhang an die Hamburger Choleraepidemie von 1892. Sie sei ein Beispiel für das Versagen von politisch Verantwortlichen, die Investitionen scheuten. Der Senat und die Bürgerschaft der Hansestadt, deren Trinkwasser ungefiltert aus der Elbe stammte, hatten sich wegen der absehbaren Kosten jahrzehntelang nicht auf den Bau einer Filteranlage für das Elbwasser einigen können. Nach der Epidemie, an der von knapp 17.000 Erkrankten 8.605 starben, wurde das Filtrierwerk der Hamburger Wasserwerke endlich gebaut, Hamburg bekam eine Müllverbrennungsanlage und anderes mehr.

Die Beteiligung des Staates an der Lösung der Wasserprobleme im heutigen Afrika, so räumt auch Frank Bliss ein, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Das setze aber eine Entwicklungsorientierung und ein Minimum an guter Regierungsführung voraus.

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In Tansania unterstützt die Organisation BORDA e. V. aus Bremen die Fäkalien- und Abwasser­beseitigung u. a., indem sie Traktoren und Tanks zur Verfügung stellt, mit denen sich auch in den Slums Schmutzwasser abpumpen und abtransportieren lässt (Aufnahme aus Daressalam/Tansania)

Es ist wahr, viele afrikanische Staaten sehen in ihrem Haushaltsbudget keine Mittel für die Wasserversorgung vor. Aber vielleicht sollte man hinzufügen, dass dies neben der vielgepriesenen »Good governance« auch voraussetzte, nicht überschuldet zu sein, und dass den afrikanischen Staaten keine Verträge von Investoren aufgezwungen werden, durch die ihnen jährlich Steuereinnahmen in Millionenhöhe entgehen. Trotzdem, Bliss bleibt dabei: Selbst die ärmsten Sahelländer könnten Zölle und Abgaben erheben sowie von den durchaus vorhandenen wohlhabenden Teilen der Bevölkerung Steuern einfordern, um die Wasserförderung zu verbessern. Er vermisst grundsätzliche Konsequenzen: die Einstellung der Finanzhilfen. Solche Konsequenzen haben Geberländer aus politischen, strategischen und zum Teil auch wirtschaftlichen Eigeninteressen bisher nicht gezogen, jedenfalls nie dauerhaft.

Aber auch die Geberländer sieht der Experte kritisch. Gründe, die von ihnen häufig gegen eine staatliche Subvention von Basisdiensten angeführt werden – »fördert Anspruchshaltung«, »lähmt Eigeninitiative« –, müsse man aufgrund vorliegender negativer Erfahrungen zwar ernst nehmen; solche Klagen seien aber unehrlich, wenn sie ausgerechnet von jenen Ländern vorgetragen würden, die jedes Jahr aus guten Gründen Milliarden Euro nicht nur in die Subventionierung von staatlichen Sozialleistungen im eigenen Land stecken, sondern darüber hinaus auch in die Unterstützung ihrer eigenen Industrien.

Selbst die Weltbank geht inzwischen davon aus, dass bei Wasserprojekten die soziale Seite von Anfang an mitgedacht und mitgeplant werden muss. Die Idee ist, Wasser oder richtiger die für seine Gewinnung benötigten Anlagen nicht kostenlos zur Verfügung zu stellen, sondern alternative Finanzierungsmodelle, passend zu den Projekten, zu entwickeln. Das kann in einem Fall bedeuten, dass die Wasserkosten für die Ärmsten vom Staat übernommen werden, im anderen, dass eine armutsorientierte Entwicklungszusammenarbeit sich zu einem dauerhaften Engagement verpflichtet. Auch Quersubventionierungen sind denkbar: Gewinne in der einen Region oder mit Wasser aus einem profitablen System könnten Subventionen in anderen Gegenden oder minderem Technikniveau erlauben, wie das z. B. in in der tunesischen Hauptstadt Tunis praktiziert wird, wo zudem Wasser bei höherem Verbrauch nicht im Preis gleichbleibt oder gar billiger wird, sondern im Gegenteil teurer.

Für das Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele bis 2030 hält Frank Bliss es für absolut notwendig, dass die internationale Gebergemeinschaft ihre Verantwortung nicht mit der Fertigstellung eines Trinkwassersystems beendet, sondern sich langfristig zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Bevölkerung entschließt und an den Betriebskosten beteiligt.

Fehlende Aufmerksamkeit

Eine solche Bereitschaft ist auf seiten der deutschen Regierung noch nicht erkennbar. Scharf geht die Präsidentin der Deutschen Afrika-Stiftung (DAS), die Grünen-Politikerin Ursula Eid, langjähriges Mitglied des beim ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon angesiedelten Beraterkreises für Wasser- und Sanitärversorgung und von 1998 bis 2005 parlamentarische Staatssekretärin im BMZ, mit der deutschen Regierung ins Gericht. Die Regierung habe das Thema nicht wirklich auf ihrer Agenda. Seit einigen Jahren gebe es keine grundsätzliche Beschäftigung des BMZ mit der Wasserproblematik. Auch im ministeriumseigenen »Marshallplan mit Afrika« komme diese nicht vor. »Wie kann man eine ›Welt-ohne-Hunger-Initiative‹ auf den Weg bringen, ohne dass Wasser dabei eine zentrale Rolle spielt?« fragt Ursula Eid. Sie kritisiert zudem, dass zwar die Gesamtausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit gestiegen seien, die Zahl der Kooperationen mit afrikanischen Staaten bei Wasserprojekten jedoch deutlich zurückging. »1.000 Kinder weltweit sterben jeden Tag an verseuchtem Wasser. Durchfallerkrankungen – auch sie zum großen Teil Folge verschmutzten Wassers – sind die dritthäufigste Todesursache auf dem afrikanischen Kontinent.«

Die DAS-Präsidentin macht auch auf den Zusammenhang von Bildung und Gesundheit auf der einen und Sanitäreinrichtungen auf der anderen Seite aufmerksam. »Viele Mädchen verlassen, wenn sie ins Menstruationsalter kommen, die Schulen, weil es dort keine sicheren, nach Geschlechtern getrennten Toiletten gibt.«

Ursula Eid hat mit zahlreichen Regierungen Verhandlungen geführt. Das Problem sei oft, dass auf dieser Ebene stets großes Interesse an imposanten Infrastrukturprojekten bestehe, weniger an dezentralen, kleineren Lösungen. »Je höher das Amt – je größer wird gedacht. Dass Toiletten in den Slums regelmäßig geleert werden müssen, um sanitäre Mindestvoraussetzungen zu erfüllen, kam den Verantwortlichen nicht in den Sinn.« Keiner habe sich im Sinne der Aufklärung je neben einer hygienisch einwandfreien Latrine fotografieren lassen.

2008 hatte der Beraterkreis des UN-Generalsekretärs das internationale Jahr für sanitäre Grundversorgung ausgerufen. »Damit wurde ein Tabu gebrochen, seitdem redet man über Toiletten«, sagt Eid nicht ohne Stolz. Zu der Abschlussveranstaltung des Beraterkreises nach elfjähriger Tätigkeit seien dennoch weder Minister noch Staatssekretäre aus Deutschland gekommen. »Wasser- und Sanitärversorgung erscheint vielen unter PR-Gesichtspunkten als nicht attraktiv.« Sie vermisst auch die Einrichtung des vom Beraterkreis nach Verabschiedung der 2030er-Entwicklungsziele vorgeschlagenen zwischenstaatlichen UN-Ausschusses für Wasser- und Sanitärversorgung. Er soll alle zwei Jahre Gelegenheit zu Überprüfungen des bisher Erreichten sowie zum Erfahrungsaustausch unter dem Dach der Vereinten Nationen bieten. Auch dafür hat sich die Bundesregierung bisher nicht wirklich stark gemacht. Wiederholt sei sie in der Vergangenheit von afrikanischen Partnern gefragt worden, ob Deutschland etwa vorhabe, sich aus dem Wasserbereich zurückzuziehen.

Ökonomischer Blickwinkel

Bei der erwähnten Veranstaltung von BORDA in Berlin sprach auch Thomas Silberhorn (CSU), parlamentarischer Staatssekretär im BMZ. In seinem Vortrag ging es um die Wasserversorgung in Ländern wie Jordanien, Afghanistan, Irak und Syrien. Er redete über Flüchtlingslager, wo dringend Wasser gebraucht werde. Schließlich verstehe sein Ministerium Entwicklungspolitik auch als Sicherheitspolitik, als Beitrag zur Konfliktprävention. So lasse sich der Wert von Maßnahmen zur Trinkwasserversorgung auch für die eigene Bevölkerung greifbarer machen. Wasserbezogene Risiken würden vom zuständigen Minister Gerd Müller (CSU) als hoch eingeschätzt, so Silberhorn – nicht zuletzt aufgrund des laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bis 2050 um 55 Prozent steigenden globalen Bedarfs schließe man sich ganz der vom Weltwirtschaftsforum 2015 vorgenommenen Risikobewertung an. Zu dieser ökonomischen Perspektive passt auch, dass Silberhorn u. a. von den Exportchancen für Ab- und Trinkwasseranlagen sprach.

Um Partizipation bei Wasserprojekten, Genderaspekte, Umweltschutz und Folgen für das Grundwasser sowie soziale Probleme bei der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und einwandfreier sanitärer Versorgung ging es in Silberhorns Rede nicht. Dass das durchaus kein Versehen war, sondern der politischen Linie der Regierung entspricht, lässt sich aus der Verschleppung eines Antrags der Fraktionen von CDU/CSU und SPD ablesen, den die große Koalition in dieser Legislaturperiode mit ihrer Mehrheit problemlos hätte verabschieden können. Er betrifft die Schaffung eines sozialen Basisschutzes in Entwicklungsländern. Der deutsche Bundestag wird darin u. a. aufgefordert, »sich im Lichte des Schlussdokuments der Dritten Internationalen Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung im Juli 2015 in Addis Abeba gegenüber der Staatengemeinschaft dafür einzusetzen, ärmere Entwicklungsländer im Rahmen von bestehenden und ggf. neuentwickelten Finanzierungsmechanismen übergangsweise bei den laufenden Kosten von sozialen Sicherungssystemen zu unterstützen«. Das könnte auch die Wasserversorgung voranbringen. Der Antrag trägt das Datum vom 21. Juni 2016. Seit einem ganzen Jahr wird er inzwischen verschleppt. Ein Kommentar erübrigt sich.

Christa Schaffmann schrieb an dieser Stelle zuletzt am 14. Februar 2017 über Ressourcenplünderung in Mexiko

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