Aus: Ausgabe vom 20.05.2017, Seite 2 / Ausland

Erdogan ließ prügeln

Aufnahme zeigt, dass türkischer Präsident Attacke in Washington befahl

Von Nick Brauns
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Von US-Polizisten gestoppt: Ein Bodyguard von Erdogan kann nur schwer davon abgebracht werden, auf kurdische Demonstranten einzuprügeln (Washington, 16.5.2017)

Der »Reis« (Anführer), wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan von seinen Anhängern ehrfurchtsvoll genannt wird, hat offenbar persönlich den Angriff seiner Bodyguards auf Demonstranten in Washington befohlen. Das legen ein am Donnerstag vom Sender Voice of America veröffentlichtes Video und eine für die Website The Daily Caller vorgenommene Tonanalyse dieser Aufnahme nahe. Bei der Attacke vor der Residenz des türkischen Botschafters waren im Anschluss an den Staatsbesuch Erdogans bei seinem US-Amtskollegen Donald Trump neun kurdische Demonstranten zum Teil schwer verletzt worden.

Das Video zeigt, wie einer der Sicherheitsmänner sich erst zu Erdogan beugte, der in einem schwarzen Mercedes im Eingangsbereich des Gebäudes saß. Anschließend erklärte er gegenüber einem anderen Personenschützer: »Er sagte, angreifen, Bruder Servet«. Der so titulierte Angehörige der Präsidentengarde rief den vor dem Gebäude mit türkischen Fahnen wartenden »Jubeltürken« ebenfalls die Worte zu, »er sagte, angreifen« und »kommt, kommt, kommt!« Daraufhin stürmten die Männer auf die andere Straßenseite, um die dort versammelten Kurden mit Schlägen zu attackieren. Am Boden liegende Demonstranten wurden mit Fußtritten gegen den Kopf traktiert, eine Frau in den Würgegriff genommen. Einige der Angreifer waren mit einheitlichen olivgrünen Kampfanzügen bekleidet und trugen Schusswaffen am Gürtel. Auf dem Video ist abschließend zu sehen, wie ein zufrieden dreinschauender Erdogan aus dem Wagen steigt und die Botschafterresidenz betritt.

Die 34jährige jesidische Kurdin ­Lucy Usoyan, die mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat unterdessen im Internet eine Kampagne zur Inhaftierung von Erdogans Bodyguards initiiert. Zwei vorübergehend festgenommene Sicherheitsleute wurden allerdings aufgrund eines diplomatischen Abkommens über den Schutz ausländischer Delegationen bereits wieder freigelassen.

Der einflussreiche republikanische Senator John McCain forderte am Donnerstag die Abberufung des zuvor ins Außenministerium einbestellten türkischen Botschafters. »Das ist nicht die Türkei, das ist kein Dritte-Welt-Land«, erklärte McCain gegenüber dem US-Sender MSNBC.

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