Aus: Ausgabe vom 26.04.2017, Seite 10 / Feuilleton

Lucke, Dressel, Böhlich

Von Jegor Jublimov
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Ein Wunsch, an dieser Stelle vor fünf Jahren zum 85. Geburtstag von Hans Lucke ausgesprochen, ist in Erfüllung gegangen. Sein »liegengebliebenes« Regiedebüt mit dem Titel »Sommerwege« von 1960 kam 2014 endlich in Berlin zur Uraufführung, wobei sich zeigte, dass hier ungewöhnlich realistisch von der Situation auf dem Dorfe zu Zeiten der Kollektivierung erzählt wurde. Am gestrigen 90. Geburtstag konnte Lucke, der in der Nähe von Weimar lebt, auf ein reiches Werk als Autor, Schauspieler, Regisseur und Szenarist zurückblicken, sowie als Anreger so manchen Erfolges, etwa des Kundschafterfilms »For eyes only« (1962).

Fünf Jahre jünger ist Roland Dressel, der heute in Potsdam feiern kann. Nach Assistenzjahren und Studium gestaltete er ab 1970 selbständig die Optik von Filmen – zunächst fürs Fernsehen, wo ihm besonders in Zusammenarbeit mit Manfred ­Wekwerth in Werken wie »Zement« und »Happy End« Außerordentliches gelang. Seine eigene Handschrift war im Kinofilm zunächst nicht gefragt. Nach dem heute noch als Geheimtip gehandelten »Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow« (1972, Regie: Siegfried Kühn) brauchte es Jahre, bis ihn Rainer Simon wieder zum großen Kino holte und er auch für Roland Gräf zum unentbehrlichen Partner wurde.

Trotz schlechter Erfahrungen mit Kühns »Platow« und Simons »Jadup und Boel«, der erst 1988, acht Jahre nach Fertigstellung, herauskommen durfte, zog es Dressel nicht in den Westen. »Ich glaubte trotz allem, hier die besseren Filme machen zu können, die etwas mit der Gesellschaft zu tun haben, mit den Menschen, die in diesem Land DDR lebten, die sich mit der Politik und deren Sprachgebrauch auseinandersetzten und versucht haben, sich der Verzerrungen zu erwehren«, sagte er in einem Gespräch.

Dressel war immer wieder neugierig auf jüngere Regisseure. So stand er 1994 für Bernd Böhlich, der gestern auch schon 60 wurde, für den Polizeiruf »Arme Schweine« hinter der Kamera. Böhlich, der zu Beginn der 80er Jahre in Babelsberg studierte und danach noch mehrere DFF-Produktionen inszenierte, ist ein Regisseur, der seine Schauspieler liebt. Nicht selten gab er Senioren reizvolle Rollen, etwa Otto Sander und Angelica Domröse in seinem Kinofilm »Bis zum Horizont, dann links« (2012). Andererseits entdeckte er auch junge Schauspieler für den Film wie 1983 Dagmar Manzel, die er dann noch oft besetzte. Ein kleines Stück TV-Geschichte hat Böhlich 1998 mit der Erfindung des Polizeihauptmeisters Horst Krause im »Polizeiruf 110« geschrieben. Die Figur wurde auch dank des gleichnamigen Darstellers so populär, dass Böhlich, der oft sein eigener Autor ist, Krause als Helden einer Filmreihe etablierte.

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