Aus: Ausgabe vom 21.04.2017, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über das Viertelfinale

Von Klaus Bittermann
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Gereizte Stimmung: Bayern-Fans geraten während des Champions-League-Viertelfinales gegen Real Madrid mit der spanischen Polizei aneinander

Nach dem jeweils verdienten Ausscheiden der Bayern und des BVB aus der Champions League steht zum ersten Mal seit 2009 kein deutscher Verein im Halbfinale der Königsklasse. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der Münchner, erwies sich dabei als schlechter Verlierer und gab dem Schiedsrichter die Schuld an der Niederlage gegen Real Madrid. Dieser hatte zwei Abseitstore von Cristiano Ronaldo gegeben und den chilenischen Irokesen Arturo Vidal nach einer Situation vom Platz gestellt, in der er ausnahmsweise mal nicht Foul gespielt hatte. Genaugenommen hätte Vidal schon viel früher die rote Karte sehen müssen, und wenn Real nur die Hälfte seiner zahlreichen Chancen verwandelt hätte, wäre die Niederlage noch deutlich höher ausgefallen. Aber bei den Bayern kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Niederlage war verdient, und die teils deutlichen Fehlentscheidungen des Unparteiischen gingen nicht nur zu Lasten des FCB – auch das Eigentor von Real-Kapitän Sergio Ramos zum 2:1 war irregulär. Die Bayern sind auf eine Mannschaft getroffen, die ihnen sehr ähnlich ist und in den entscheidenden Punkten letztlich einfach besser war.

Auch Borussia Dortmund ging erneut gegen Monaco unter, das gerade die französische Liga aufmischt und inzwischen kaum mehr als Außenseiter gehandelt werden kann. Trotzdem war das Ausscheiden des BVB unglücklich. Nicht nur wegen der 2:3-Heimniederlage einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft, bei der die Dortmunder in der ersten Halbzeit einfach nicht auf dem Platz waren und krasse Fehler zu einem schnellen 0:2 führten. Fehler, die wahrscheinlich noch aus der Verunsicherung herrührten, die die Explosion hinterlassen hatte. Auch in Monaco saßen die Spieler aus Sicherheitsgründen eine halbe Stunde im Bus fest, was bei ihnen wahrscheinlich böse Erinnerungen weckte. Jedenfalls begann die erste Halbzeit ähnlich desaströs wie im Hinspiel. Viele Borussen standen zu weit von ihren Gegenspielern entfernt, Torhüter Roman Bürki patzte schon in der 3. Minute, und auch Verteidiger Lukasz Piszczek spielte als letzter Mann einem Monegassen den Ball in die Füße. Wären ihnen diese Fehler nicht unterlaufen, wären die Dortmunder vielleicht sogar weitergekommen, und dennoch war ihnen Monaco überlegen. Unter normalen Umständen wäre der BVB vielleicht ein ebenbürtiger Gegner gewesen, so aber trug sogar der taktisch oft hervorragende Trainer Thomas Tuchel seinen Teil zur Niederlage bei. Dass er schon in der 27. Minute den völlig überforderten Erik Durm durch Ousmane Dembélé ersetzte, war wie ein Eingeständnis, sich völlig verschätzt zu haben. Aber auch andere Dortmunder waren an diesem Abend nicht so gut, wie man es eigentlich von ihnen gewohnt ist. So bliebt der sonst so herausragende Raphaël Guerreiro diesmal blass, und Torgarant Pierre-Emerick Aubameyang machte keinen Stich gegen die kompakte Defensive der Monegassen. Schließlich kam noch Pech dazu, etwa als Nuri Sahin einen Freistoß an den Pfosten setzte. Doch auch Monaco ging sehr großzügig mit seinen Chancen um. Es blieb zuletzt nicht nur der glückliche, sondern auch der verdiente Sieger.

Dem FC Barcelona ist derweil kein weiteres Wunder gelungen. Im Achtelfinale konnte man sich noch trotz einer 0:4-Niederlage gegen Paris Saint-Germain durchsetzen. Juventus Turin verstand es dagegen, seinen 3:0-Vorsprung aus dem Hinspiel zu verwalten. Mit der besten Defensive des Turniers konnten sie in Barcelona ein 0:0 halten. Auch Atlético ist weiter. Schon wieder ein Endspiel zwischen den Madrider Mannschaften wie 2014 und 2016 wäre allerdings so langsam etwas öde.

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