Aus: Ausgabe vom 18.04.2017, Seite 16 / Sport

Wachablösung

Bei der Copa América im Futsal konterte Brasilien Gastgeber Argentinien im Finale eiskalt aus

Von André Dahlmeyer, San Juan

Brasilien hat in der Nacht auf Donnerstag im argentinischen San Juan am Fuße der Anden bei der 12. Austragung der Copa América im Futsal zum zehnten Mal den Titel geholt. In einem hochspannenden Finale wurde der Gastgeber, Titelverteidiger und amtierende Weltmeister Argentinien nach Verlängerung mit 4:2 besiegt, nachdem die Gauchos Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch mit 2:0 in Führung gelegen hatten und wie der sichere Sieger ausschauten. Das Ganze erinnerte fatal an das Finale der Copa América im Fußball von 2004 in Lima. Damals verloren die Schutzbefohlenen von Marcelo Bielsa ebenfalls gegen Brasilien und mit dem selben Resultat, nur nach Elfmeterschießen.

Die durch strenge Regeln bezüglich Fouls, Rückpässen und Ausführung von Standardsituationen sehr offensive Hallenfußballvariante wurde in den 30er Jahren in Uruguay entwickelt und ist in ganz Südamerika ungemein populär. Das Volleyball-Stadion »Aldo Cantoni« (fünfmal fanden dort Rollhockey-Weltmeisterschaften statt, zuletzt 2011) war dementsprechend mit rund 10.000 Zuschauern auch ein wahrer Hexenkessel. 35 Minuten lang waren die argentinischen Kicker den Nachbarn vom Zuckerhut deutlich überlegen – dann drehte der fünffache Weltmeister (ja, auch im Futsal) auf. Im Futsal ist das Ambiente des Sports noch nicht verdorben und also wurden die Argentinier von ihren Anhängern anschließend nicht mit Frischkot beworfen, bespuckt oder mit Springmessern drangsaliert sondern sportlich mit stehendem Applaus verabschiedet, wie es sich gehört.

Nach dem Sieg im WM-Finale vergangenes Jahr gegen Russland war in Argentinien ein Futsal-Boom ausgebrochen. Zur besten Sendezeit klebten nun also bei jedem Spiel über 40 Millionen vor den Mattscheiben. Sie delirierten, als der beste Argentinier im Finale, Christian Borruto, von der Mittellinie auf Maxi Rescia auflegte, der die Kugel mit der Brust dominierte und per »Vaselina« (Lupfer) über Brasiliens Tormann Guitta zum 1:0 einlochte (2:04). Argentinien war gegen ein zunächst zaghaft agierendes Brasilien deutlich besser aufgestellt und attackierte wie entfesselt. Guitta zeigte ein ums andere Mal sein ganzes Können, etwa gegen Fernando Ariel Wilhelm, Argentiniens Kapitän, der für Benfica Lissabon spielt und bereits die Copa América von 2003 und 2015 gewinnen konnte.

Auch in den zweiten 20 Minuten hatten die Albiceleste einen exzellenten Rhythmus und dominierten das Spiel. Bei jedem zurückeroberten Ball, bei jedem Kunststückchen, bei jedem Schuss aufs Tor der Brasilianer schien die Halle zu schaukeln, so begeistert waren die argentinischen Anhänger. Lino klärte auf wundersame Weise auf der Linie gegen Rescia, Guitta vereitelte nach exzellenter Vorarbeit von Cuzzolino wiederum gegen Rescia Schlimmeres. Die Halle kochte. Borruto trug einen Konter von Tor zu Tor, zog drei Gegenspieler in den grün-gelben Trikots auf sich, Doppelpaß mit Cuzzolino, Tor Borruto, 2:0 (32:42)! Das macht Real Madrid auch nicht besser. Fünfzehn Sekunden später konterte Brasilien abgeklärt und Tormann-Torjäger Leandro Lino verkürzt auf 2:1. Eine Minute vor Schluss staubte Felipe Valerio am langen Pfosten ab – Ausgleich und Verlängerung. In der knickten den Argentiniern dann die Beine ein, während Brasilien Hochgeschwindigkeits-Futsal spielte. Schon in den ersten fünf Minuten der Verlängerung trafen Marcel (bereitete schon die beiden ersten Treffer vor) und Arthur zum 4:2 Endstand. Im Spiel um Platz drei besiegte Paraguay die Elf von Uruguay mit 4:3 (1:1).

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