Aus: Ausgabe vom 18.04.2017, Seite 16 / Sport

Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Verschwörungstheorien willkommen: Polizisten mit Maschinenpistolen am Samstag vor dem Dortmunder Stadion

Fünf Tage nach den Bomben auf den BVB-Bus wissen die Ermittler immer noch nicht, wer hinter dem Anschlag steckt. Inzwischen ist laut Bild auch noch die Wettmafia in den Kreis der Verdächtigen geraten, aber aus welchen Gründen? Weil der BVB zu unberechenbar ist? Anders als Bayern? Aber dann müssten die nach dem Unentschieden gegen Bayer auch Ärger kriegen, weil das 0:0 am Samstag die Wettquoten verdorben hat. Jedenfalls sind den Verschwörungstheorien Türen und Tore geöffnet. Am wahrscheinlichsten scheint, dass es die Rechten oder die Islamisten waren oder sonst irgendein Verrückter, zwischen denen aber sowieso kaum ein Unterschied besteht, betätigen sich die Islamisten doch als Steigbügelhalter für die AfD, die diese wiederum mütterlich in die Arme nimmt, weil sie weiß, dass sie ohne Islamisten keine Chance hätte.

In jedem Fall war der Anschlag einer mit größtmöglicher Wirkung in der Öffentlichkeit, in der die Moderatoren sehr feinfühlig und mit viel Menschlichkeit endlos plapperten. Die UEFA mit ihrem gnadenlosen Spielplan wurde angeklagt, weil das Rückspiel gegen Monaco einen Tag später angesetzt wurde und damit keine Zeit zur Trauerarbeit bliebe, als ob tatsächlich Leute gestorben wären.

Der BVB-Geschäftsführer Watzke sagte, man habe sich tatsächlich kurz überlegt, das Spiel ganz abzusagen, aber eben nur kurz, eine reale Option war es nicht. Das Spiel wäre als verloren gewertet worden. Doch verloren hat der BVB das Spiel dann sowieso, weil Tuchel zunächst eine falsche Taktik gewählt hatte mit Ginter auf der rechten Außenbahn, weshalb die erste Halbzeit auch entsprechend unterirdisch war. Erst in der zweiten Hälfte kam mit Sahin und Pulisic Schwung in die Partie. Vermutlich wäre das Spiel auch ohne Anschlag so verlaufen, denn wenn der Schiedsrichter ein Abseitstor gibt, dann hat das wenig damit zu tun, dass Spieler mental nicht auf der Höhe sind. Und katastrophale Abspielfehler wie der von Pisczcek auf Sokratis sind den Dortmundern auch schon unter Normalbedingungen unterlaufen.

Es ist schwer zu sagen, welche Folgen ein solcher Anschlag für das Nervenkostüm des einzelnen hat. Gegen Frankfurt jedoch standen keine Nervenbündel auf dem Platz, sondern mit dem wiedergenesenen Reus auch jemand, der sofort Schwung in die Partie brachte, als ihm in Zusammenarbeit mit Pulisic gleich in den 2. Minute ein Traumtor gelang. Und auch Sokratis und Aubameyang nach einem sensationellen Pass von Sahin auf Dembélé steuerten wunderschöne Treffer bei. Aber die Eintracht war keinesfalls unterlegen, hatte durchaus Chancen, und hätte es am Ende ein Remis gegeben, hätten sich die Dortmunder nicht beschweren können.

So hat man wenigstens nicht den Anschluss zu Hoffenheim verpasst, das ein nicht minder rasantes Spiel gegen Mönchengladbach mit 5:3 gewann. Auch Leipzig gab sich keine Blöße und gewann 4:0 gegen Freiburg. Im Kampf um den Relegationsplatz hat Ingolstadt einen herben Rückschlag erlitten, weil man gegen den Mitfavoriten um den Abstieg Wolfsburg 3:0 verlor, während Mainz und Augsburg gewannen.

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