Aus: Ausgabe vom 11.04.2017, Seite 1 / Inland

Türkei-Referendum im Ausland beendet

Fast 700.000 Menschen stimmen in Deutschland über Präsidialsystem am Bosporus ab

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Bis zum Sonntag abend haben sich 49 Prozent oder 697.000 der 1,43 Millionen in Deutschland registrierten türkischen Wähler am Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei beteiligt. Dies teilte die Wahlkommission in Ankara am Montag auf dpa-Anfrage mit. In Österreich lag die Gesamtbeteiligung bei 50,6, in der Schweiz sogar bei 57 Prozent. Insgesamt haben demnach fast 1,4 Millionen der knapp drei Millionen im Ausland lebenden Bürger des Landes (47 Prozent) an der heftig umkämpften Volksabstimmung teilgenommen. Das waren deutlich mehr als bei der Parlamentswahl 2015.

Bei einer mehrheitlichen Zustimmung für seine Pläne würde Präsident Recep Tayyip Erdogan erheblich mehr Machtbefugnisse bekommen. Derzeit wird mit einem knappen Ausgang gerechnet, so dass das Votum der Auslandstürken, deren Anteil an den insgesamt 55,3 Millionen Stimmberechtigten rund fünf Prozent beträgt, ins Gewicht fallen könnte. In 59 Ländern weltweit standen ihnen dazu 120 Wahllokale zur Verfügung. Zudem können sie noch bis zum kommenden Sonntag, dem Tag des Referendums in der Türkei, an den Grenzübergängen ihre Stimme abgeben.

In Deutschland konnten die Wahlberechtigten vom 27. März bis zum 9. April ihre Stimme in 13 Wahllokalen abgeben, die in den türkischen Konsulaten sowie in etlichen Großstädten eingerichtet worden waren. Die versiegelten Wahlurnen werden zur Auszählung nach Ankara geflogen.

Der Vizechef der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Atila Karabörklü, äußerte im RBB-Inforadio die Vermutung, dass in Deutschland Befürworter und Gegner von Erdogans Plan etwa gleichauf lägen. In der Türkei gehe er dagegen davon aus, dass eine Mehrheit die Verfassungsreform ablehne. Die Umfragen seien nicht zuverlässig, da viele Menschen ihre Meinung verschwiegen, »weil sie Angst haben und der Druck enorm ist«, sagte Karabörklü. (dpa/AFP/jW)

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