Aus: Ausgabe vom 21.03.2017, Seite 8 / Inland

»Viele haben sich ein Haus für alle gewünscht«

Ende April wird der für 100 Millionen Euro umgebaute Dresdner Kulturpalast eröffnet. Gespräch mit Axel Walther

Interview: Sigurd Schulze
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Das Wandbild »Der Weg der roten Fahne«, das sich an der Westfassade am Kulturpalast Dresden befindet, wird bearbeitet (4. August 2016)

Am 28. April wird der Kulturpalast Dresden wiedereröffnet. Aber betrifft das nur den neuen Konzertsaal oder auch die städtische Zentralbibliothek? Und wird das Ensemblekabarett »Die Herkuleskeule« von da an dort auftreten?

Am 28. April werden der Konzertsaal sowie das Haus als Ganzes wieder­eröffnet. Am nächsten Tag wird »Die Herkuleskeule« mit einem Fest­umzug in den Palast einziehen und dort spielen. Die Bibliothek zieht schon im März komplett ein. Ab dem 29. April werden der Konzertsaal, das Kabarett und die Zentralbibliothek für die Dresdner geöffnet sein. Im Mai und Juni laufen die Programme der Dresdner Philharmonie, der Herkuleskeule und der Dresdner Musikfestspiele.

Welche Vorteile bietet der Kulturpalast außer dem neuen Konzertsaal, die der alte Palast nicht hatte?

Der alte Palast, erbaut 1969, hatte schon viele Annehmlichkeiten. Hinzu kommen nun das Kabarett »Die Herkuleskeule« und die Zentralbibliothek. Außer ihrem riesigen Wissen bringt die Bibliothek von früh bis spät Leben ins Haus. Zum ersten Mal wird Dresden eine Konzertorgel haben. Es wird viele Versorgungstresen geben, ein Lesecafé, einen Tunnel zum Parkhaus. Später kommt ein gediegenes Restaurant hinzu. Das Bewerbungsbüro für die Kulturhauptstadt Europas 2025 wird einziehen. Dass alles barrierefrei ist, versteht sich von selbst.

In letzter Zeit gab es wiederholt Krach wegen der Überschreitung der geplanten Kosten – sowohl im Stadtrat als auch in der Presse. Aus 81,5 sind 100 Millionen Euro geworden. War die Überziehung unvermeidlich oder haben Sie und die Planer bewusst knapp kalkuliert, um die Finanzierung durchzukriegen, in der Erwartung, der Stadtrat würde dann schon die Mehrkosten genehmigen?

Leichtsinnig waren die Verantwortlichen nicht. Sie haben vielleicht zu optimistisch geplant. Ich habe die Leitung 2013 mit der fertigen Planung übernommen. Durch die überlange Phase der Beschlussfassung im Stadtrat von 2009 bis 2012 hat man die durch Inflation gestiegenen Kosten nicht fortgeschrieben. Das Risikobudget von acht Millionen Euro war zu gering. Beim Abriss von Teilen des bestehenden Gebäudes, zum Beispiel des alten Festsaales, ohne das Dach abzunehmen, gab es Überraschungen. Hinzu kamen höhere Auflagen vom Brandschutz und vom Denkmalschutz. Zum Beispiel kostete die Erhaltung der Geländer im Foyer 300.000 Euro mehr. Das Aufholen von Rückständen mit mehr Arbeitern und Schichtarbeit erhöhte die Kosten zudem. Zur Zeit arbeiten 200 Leute auf der Baustelle. Doch mit 100 Millionen Euro bleiben wir wesentlich unter den Kosten eines Kulturneubaus. Und wir haben ein Wahrzeichen der Stadt erhalten.

Im Dezember 2016 wurde das Kulturkraftwerk Mitte mit der neuen Staatsoperette und dem »theater junge generation« fertiggestellt, im April soll der Kulturpalast eröffnet werden. Beide Vorhaben haben Sie begleitet. Wie haben Sie das als Bauherr erlebt?

Beide Sonderbauvorhaben waren einzigartig. Da hatte niemand vorher Erfahrungen, zumindest in Dresden nicht. Den Ausbau des Kulturkraftwerks haben wir komplett der Firma Züblin übertragen. Inzwischen haben wir letzte Mängel beseitigt. Die Künstler mussten sich an ein gemeinsames großes Foyer und längere Wege gewöhnen. Doch sie sind glücklich. Ich habe erfahren, wie faszinierend und schön ein Kulturbetrieb ist. Bei beiden Projekten haben wir in der Planung mit den Künstlern zusammengearbeitet. Das war für alle sehr befriedigend.

Wie fällt Ihre Bilanz bezüglich des Kulturpalasts aus?

Viele Dresdner haben sich ein solches Haus für alle gewünscht. Es ist uns gelungen, den Kulturpalast als Baudenkmal und als Solitär im Zentrum der Stadt zu erhalten. Die Dresdner Philharmonie hat solch exzellenten Konzertsaal verdient. Die neuen technischen Möglichkeiten garantieren fast das komplette Spektrum der Veranstaltungen. Für die Dresdner Bevölkerung wird der Palast mehr Lebensqualität bringen.

Axel Walther ist als Geschäftsführer der GmbH Kommunale Immobilien Dresden der Bauherr des Kulturpalasts.

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