Aus: Ausgabe vom 24.02.2017, Seite 1 / Ausland

Trump lässt räumen

Armee und Polizei machen den Weg für Pipelinebau in North Dakota frei

Von Jürgen Heiser
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Protest gegen den Bau der Pipeline am Mittwoch in Cannon Ball

Das Dekret von US-Präsident Donald Trump zum Weiterbau der »Dakota Access Pipeline« (DAPL) wird seit Mittwoch 14 Uhr (Ortszeit) durch die Vertreibung der Pipelinegegner durchgesetzt. Zu diesem Ultimatum hatte North Dakotas Gouverneur Doug Burgum die Räumung der Protestcamps angekündigt. Rund um das Gebiet, in dem zeitweise bis zu zehntausend Demonstranten das Bauvorhaben verhindert hatten, wurden schon seit Tagen Kräfte von Polizei und Nationalgarde zusammengezogen. Wie die US-Wochenzeitung Workers World meldete, ist dies »die größte Polizeiarmee seit Beginn der Proteste« im vergangenen Jahr. Der Stamm der Standing Rock Sioux wehrt sich dagegen, dass die Rohölpipeline über das Gebiet seines Reservats und unter dem Missouri River hindurchgeführt werden soll. Im Falle einer Havarie befürchten die Sioux die Verseuchung des Trinkwassers der gesamten Region.

Nach Ablauf des Ultimatums verließen etwa hundert Aktivisten des Oceti Sakowin Camps zusammen singend und trommelnd das Gelände, während sich Hunderte DAPL-Gegner dort laut dem Sender CNN »verschanzten, um ihre Vertragsrechte zu verteidigen«, die sie durch den Bau der Pipeline gebrochen sehen. Einige Stammesangehörige setzten ihre Tipis und Hütten in Brand. Monatelang hatten sie darin dem harten Winter getrotzt und wollten diese Phase ihres Kampfes nun in einer traditionellen Zeremonie abschließen, indem sie die Asche an »Großmutter Erde« übergeben und sich der Zukunft zuwenden. Die Polizei nahm am Rande des Camps mehrere Dutzend Aktivisten fest.

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Trauer nach der Räumung des Protestcamps am Mittwoch in Cannon Ball

Gouverneur Burgum kündigte an, wer freiwillig gehe, könne »unbehelligt abziehen«. Wer sich jedoch ab Donnerstag noch in den Camps aufhalte, behindere die »Aufräumarbeiten«, mache sich damit strafbar und werde verhaftet. Die juristische Auseinandersetzung um den Bau des letzten Teilstücks der Pipeline wird am 28. Februar vor Gericht weiter ausgetragen. Für den 10. März ruft das breite Bündnis der »Standing-Rock-Bewegung« zu einem Sternmarsch auf die US-Hauptstadt Washington auf.

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