Aus: Ausgabe vom 22.02.2017, Seite 2 / Ausland

»Grünes Licht« für Mord

Israelischer Soldat muss nach gezielter Tötung nur 1,5 Jahre in Haft

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Der israelische Soldat Elor Asaria muss wegen Totschlags an einem Palästinenser für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Ein Militärgericht in Tel Aviv verurteilte den 21jährigen am Dienstag zudem zu einem weiteren Jahr Haft auf Bewährung. Die Militärstaatsanwaltschaft hatte zwischen drei und fünf Jahre Gefängnis gefordert, Asarias Verteidigung hatte auf nicht schuldig plädiert. Die gesetzliche Höchststrafe liegt bei 20 Jahren. Neben der Haftstrafe soll der Dienstgrad des Unteroffiziers auf die niedrigste Stufe herabgesetzt werden. Asaria war bereits im Januar schuldig gesprochen worden.

Asaria, damals als Sanitätssoldat im Einsatz, hatte im März 2016 in Hebron im besetzten Westjordanland den verletzt am Boden liegenden Abd Al-Fatah Scharif mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Die Tat wurde von einem Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisa­tion B’Tselem gefilmt. Asaria habe sich damit »zum Richter und zum Henker gemacht« und mit seiner Tat den Wert menschlichen Lebens missachtet, hieß es im Urteil.

Die palästinensische Autonomiebehörde hat empört auf das milde Urteil für Asaria reagiert. Diese bedeute »grünes Licht« für Verbrechen des israelischen Militärs, sagte der Sprecher Tarik Rischmawi am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Hanan Aschrawi, Mitglied des Exekutivkomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, bezeichnete die Strafe als »Hohn auf die Gerechtigkeit«. »Es ist offensichtlich, dass das israelische Justizsystem von demselben Rassismus, der Ungerechtigkeit und Kultur des Hasses befallen ist wie die israelische Besatzung«, sagte Aschrawi am Dienstag nach Angaben ihres Büros.

Dutzende Anhänger Asarias demonstrierten während der Verkündung des Strafmaßes vor dem Militärhauptquartier in Tel Aviv und forderten dessen Freilassung. Viele rechte Zionisten feiern den verurteilten Mörder als Helden. Anhänger des Soldaten hatten die zuständigen Richter wegen der Verurteilung mit dem Tode bedroht, diese wurden daher unter Schutz gestellt. Mehrere Politiker, darunter auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, hatten sich noch während des Prozesses für eine Begnadigung Asarias ausgesprochen.

(AFP/dpa/jW)

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