Aus: Ausgabe vom 11.02.2017, Seite 5 / Inland

Teilerfolg für »Lause«-Mieter

Die von Verdrängung bedrohten Bewohner der Lausitzer Straße 10 und 11 in Berlin erhalten einen Aufschub. Allein sind sie auch nicht mehr: Der Stadtteil organisiert sich

Von Anja Polzin
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Mieter protestieren in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg gegen Verdrängung (8. Februar)

Die von Verdrängung bedrohten Mieter der Lausitzer Straße 10 und 11 in Berlin erhalten eine Verschnaufpause. Der dänische Hauseigentümer Taekker nimmt die bislang zum Verkauf vorgesehenen Immobilien vorerst vom Markt. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs der Bewohner mit Vertretern von Taekker am Mittwoch morgen. Maelte Hermann, ein Gewerbetreibender in »der Lause«, betonte am Donnerstag abend, »dass es sich hierbei nur um einen Teilerfolg handelt«. Der nächste Verhandlungstermin mit dem Unternehmen sei auf den 1. März angesetzt. Die Mieter wollen dann zwei Optionen vorschlagen: den Verkauf der Häuser entweder an den Bezirk oder über eine Stiftung an die Mieter selbst.

Das Engagement der »Lause«-Bewohner war am Donnerstag abend auch Thema einer Kiezversammlung. Das »Bündnis Zwangsräumung verhindern« hatte Bewohner des Berliner Stadtteils Kreuzberg zum Treffen eingeladen, rund 350 Anwohner folgten dem Aufruf..

In Kreuzberg müsse wieder eine Bewegung gegen Verdrängung entstehen, sage Sara Walthers vom »Bündnis Zwangsräumung verhindern« in ihrer Einführungsrede. Im Stadtteil gebe es bereits einen »Mythos des Widerstands«, der durch Tausende Menschen geschaffen wurde, die in der Vergangenheit gegen Mietsteigerungen auf die Straße gegangen waren. »Die gute Stimmung ist auch jetzt vorhanden, wir müssen die Menschen nur wieder organisieren«, so Walthers.

Diverse Mieter und Gewerbetreibende aus Kreuzberg meldeten sich in der Folge zu Wort. Darunter die Betreiber der »Bantelmann Betriebe Berlin« (siehe Interview »Uns bliebe nur das Jobcenter«) und jene des Kiezladens »Friedel 54«. Letztere sehen sich derzeit von einer Zwangsräumung bedroht. Ihnen war die Kündigung schon im Oktober 2015 ausgesprochen worden, ab Mai 2016 hätten sie das Haus verlassen müssen. Statt dessen besetzten sie das Haus. Zwar sei die Besetzung bislang geduldet worden, doch Mitte April drohe ihnen nun endgültig der Rauswurf. »Diesmal mit Gerichtsvollzieher und Polizeiaufgebot«, wie ein Vertreter sagte.

Der Buchladen Kisch & Co. droht ebenfalls verdrängt zu werden. Einer der Betreiber erklärte, dass dem Geschäft Ende Mai die Räumung bevorstehe. Der Hauseigentümer, die »Berggruen Holdings«, habe zuvor die Miete auf 20 Euro pro Quadratmeter heraufsetzen wollen. Kosten, die sich der Buchladen nicht hätte leisten können. Die Betreiber machten ein Gegenangebot und offerierten eine Miete von 18 Euro pro Quadratmeter. Auf dieses sei der Eigentümer aber nicht eingegangen, so ein Betreiber.

Der Vorschlag, sich in regelmäßigen Abständen zu einer Kiezversammlung zusammenzufinden, wurde mit anhaltendem Applaus begrüßt. Eine erste Protestdemonstration soll bereits an diesem Sonntag stattfinden: Gemeinsam wolle man für den Erhalt des Café Filou einstehen. Die beiden Londoner Eigentümer der entsprechenden Immobilie hatten den Café-Betreibern den Mietvertrag gekündigt.

Demonstration zum Erhalt des Café Filou: Sonntag, 12. Februar, 12 Uhr, Ecke Reichenberger Straß/Glogauer Straße, Berlin

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