Aus: Ausgabe vom 10.01.2017, Seite 7 / Ausland

Zerstörte Infrastruktur

Syrien: Bewaffnete Gruppen verhindern die Reparatur von zerstörten Wasserpumpen. Saudi-Arabien torpediert Waffenstillstand

Von Karin Leukefeld
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Umkämpfte Ressource: Kinder befüllen in Aleppo Kanister mit Wasser (14.12.2016)

Die Zerstörung ziviler Infrastruktur in Syrien ist ein Markenzeichen bewaffneter Islamisten und Salafisten. Ziel der Angriffe sind die Strom-, Gas- und Wasserversorgung des Landes. Im Osten der Provinz Homs sprengten Kämpfer des »Islamischen Staates« – arabisch abwertend als Daesch bezeichnet – am Sonntag die Förderanlage der Hajan-Gasgesellschaft. Diese versorgt Millionen Menschen in Homs und Damaskus mit dem Gas vom Al-Schaer-Gasfeld. In einem Videoclip dokumentierten die Kämpfer, wie sie zunächst Sprengladungen auf dem ganzen Gelände platzierten und miteinander verbanden. Unter Rufen wie »Allah ist groß« wurde die Explosion aus der Ferne gefilmt. Anschließend wurden die Aufnahmen im Internet verbreitet.

Nach tagelangen Gefechten mit islamistischen Kämpfern um die Al-Fi­dschah-Quelle im Barada-Tal war am vergangenen Freitag unter Vermittlung der russischen Armee zunächst ein Waffenstillstand und die Wiederherstellung des beschädigten Wassernetzwerks vereinbart worden. Um 9 Uhr am Samstag morgen sollte ein Instandsetzungsteam mit der Arbeit beginnen können. Zur vereinbarten Zeit hieß es allerdings von Seiten der bewaffneten Kämpfer, sie benötigten weitere zwölf Stunden, bevor sie die Reparatur zulassen könnten.

Auf Nachfrage von junge Welt, warum die Kämpfer den Zugang zur Quelle verzögerten, hieß es von einer Person, die nah am Verhandlungsprozess war, namentlich aber nicht genannt werden möchte, dass die Kämpfer vermutlich noch auf Anweisungen aus Saudi-Arabien warteten. Wenig später hieß es: »Es scheint, dass sie keine Zustimmung aus Riad erhalten haben. Sie weigern sich, das Reparaturteam passieren zu lassen. Offenbar gibt es keinen anderen Weg, als den Zugang zum Wasser mit Gewalt wiederherzustellen.« Die syrische Armee teilte inzwischen die Wiederaufnahme von Angriffen mit.

Ein »Medienbüro im Barada-Tal« hatte schon am Freitag über die »Nationale Koalition der oppositionellen und revolutionären Kräfte in Syrien« (Etilaf) mit Sitz in Istanbul, einen Waffenstillstand dementiert. »Behauptungen, es gäbe im Barada-Tal eine Feuerpause und Verhandlungen einer Delegation russischer Offiziere mit den Kämpfern sind unwahr«, hieß es von dort.

»Die Al-Nusra-Front bestimmt über alle Gruppen im Barada-Tal«, erklärte Elia Samman, Berater des syrischen Ministers für Nationale Versöhnung. »Viele Kämpfer im Umland von Damaskus wollen lokale Waffenstillstände abschließen und von dem Amnestieangebot Gebrauch machen«, sagte Samman. Doch nur dort, wo die Nusra-Front nicht sei, könne es gelingen.

Wie sehr das Verhalten der bewaffneten Akteure in Syrien von den Regionalstaaten abhängt, zeigte sich zum Jahreswechsel in Aleppo. Der Waffenstillstand war zustande gekommen, weil die Türkei auf die von ihr unterstützten Gruppen, Russland und Iran auf die syrische Regierung einwirkten. Saudi-Arabien und andere Golfstaaten beteiligten sich nicht an der Vereinbarung, so dass Gruppen wie die Nusra-Front, die Armee des Islam und andere mit ihnen verbündete Islamisten weiterkämpfen.

Der saudische Verteidigungsminister Mohammed Bin Salman goss am Sonntag erneut Öl ins Feuer. Er sehe – im Hinblick auf den Iran – »keinen Grund, mit einer Macht zu verhandeln, die sich dem Export exklusiver Ideologie verschrieben hat, die Terrorismus unterstützt und die staatliche Souveränität anderer Nationen verletzt«, sagte der stellvertretende Kronprinz dem US-Magazin Foreign Affairs. Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran hielt der saudischen Regierung daraufhin ihre Verantwortung für Verbrechen in Syrien, Irak und im Jemen entgegen. Anstatt andere zu beschuldigen, solle Riad seine Politik in der Region ändern und aufhören, Chaos zu stiften.

Beim Empfang einer Delegation von französischen Abgeordneten am Sonntag in Damaskus zeigte sich der syrische Präsident Baschar Al-Assad »optimistisch« über neue Friedensgespräche, die Ende des Monats in der kasachischen Hauptstadt Astana stattfinden sollen. Er sei persönlich bereit, mit den verbliebenen knapp 100 Kampfgruppen zu verhandeln – nicht aber mit Dschihadisten.

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