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Aus: Ausgabe vom 22.10.2011, Seite 15 / Geschichte

Ägyptens Weg in die Unabhängigkeit

Von Gerd Bedszent
Ägypten war, obwohl formell bis 1914 noch Bestandteil des Osmanischen Reiches, in den Jahren von 1882 bis 1954 faktisch ein britisches Protektorat. Der Bau des Suezkanals von 1859 bis 1869 hatte das Land ruiniert, die Gewinne aus dem Schiffsverkehr durch den Kanal flossen fast ausschließlich in die Taschen europäischer Aktionäre. Dem Staatsbankrott des Jahres 1876 folgte ein rabiates Finanzdiktat durch Paris und London, schließlich 1882 der Einmarsch britischer Truppen.

Nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde das Land eine eigenständige Monarchie. Obwohl im Jahre 1922 formell die Unabhängigkeit proklamiert wurde, blieb Ägypten britisch besetzt; der König agierte als Marionette der Kolonialmacht. Unter seiner Herrschaft wurden die Feudalverhältnisse zementiert, 11000 Großgrundbesitzer besaßen ebensoviel Land wie 2,6 Millionen Kleinbauern. Sämtliche lukrativen Wirtschaftsunternehmen befanden sich im Besitz von Europäern.

Gegen Rückständigkeit und nationalen Ausverkauf organisierte sich der Geheimbund der »Freien Offiziere« unter Führung von Oberst Gamal Abdel Nasser. Getragen von einer breiten Volksbewegung, stürzte das Militär am 23. Juli 1952 durch einen Putsch das Regime von König Faruk.


Nasser war kein Kommunist, sondern Repräsentant des einheimischen Bürgertums, das durch die anhaltende koloniale Ausbeutung in seiner Entwicklung behindert war und eine geeignete Legitimation im panarabischen Nationalismus fand.

Am 18. April 1954 wurde Nasser ägyptischer Ministerpräsident. In dauerhafter Konfrontation mit der ehemaligen britischen Kolonialmacht lehnte er sich außenpolitisch an die Arabische Liga und das damals sozialistische Osteuropa an, verbot aber im eigenen Lande die Kommunistische Partei. Deren Mitglieder wurden ebenso verfolgt wie die Anhänger der radikalislamischen Muslimbruderschaft.

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