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Aus: Ausgabe vom 17.04.2010, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Rückkehr von Regierungschefin

Rosa Isakowna Otunbajewa (Foto) ist seit dem 7.April Chefin der neuen provisorischen Regierung Kirgistans. Damit ist die 1950 geborene studierte Philosophin und ehemalige Funktionärin der Kommunistischen Partei der Sowjet­union, die neben Kirgisisch auch fließend Russisch und Englisch spricht, bereits zum zweiten Mal im Rahmen einer blutigen Revolte an die Schalthebel der Regierungsmacht gekommen. War sie vor dem Ende der Sowjetunion noch Botschafterin in Malaysia gewesen, so diente sie nach der Unabhängigkeit Kirgistans 1992 dem damaligen Präsidenten Askar Akajew erst als Außenministerin und dann als erste Botschafterin des Landes in den USA und später in Großbritannien. Von 2002 bis 2004 war sie als stellvertretende Leiterin der UN-Mission in Georgien tief in die sogenannte Rosenrevolution verwickelt. Laut dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili, der durch die vom Westen protegierte Bewegung an die Macht gekommen war, war Otunbajewa über alle Details des Umsturzes in ­Georgien informiert. Mit ihrer Rückkehr nach Kirgistan Ende 2004 sei deshalb die georgische »Rosenrevolution« zur Leitlinie für die kirgisische »Tulpenrevolution« im Februar 2005 geworden.

Otunbajewa spielte in der Tat bei der Revolte gegen ihren ehemaligen Gönner Akajew eine führende Rolle. Unter dem neuen Präsidenten Kurmanbek Bakijew wurde sie in der Übergangsregierung für einige Monate Außenministerin, aber nach den Wahlen fehlte ihr die notwendige parlamentarische Zustimmung. Erst 2007 gelang ihr der Sprung ins Parlament, wo sie fortan die sozialdemokratische Oppositionsfraktion gegen den Bakijew-Clan anführte.

Nach dem Umsturz in der vergangenen Woche soll Otunbajewa zuerst mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin telefoniert haben, der ihr sofort Hilfe zusagte. Auch wenn der Ad-hoc-Regierungschefin nachgesagt wird, daß sie Moskau näher steht als Washington, hat sie bereits angekündigt, eine »multivektorale« Außenpolitik betreiben zu wollen. Das bedeutet, daß sie nicht bereit ist, für den Kreml ihre guten Beziehungen zum Weißen Haus zu opfern.

(rw)

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