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Aus: Ausgabe vom 13.05.2008, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Internettip: Digitale Solidarität

Ein entscheidender Faktor in betrieblichen Auseinandersetzungen ist die Frage, über welche Informationen die jeweiligen Akteure verfügen. Die Arbeitgeber haben diesbezüglich zunächst alle Trümpfe in der Hand. Um mithalten zu können, brauchen Betriebs- und Personalräte nicht nur eine kompetente Beratung durch ihre Gewerkschaft. Auch Informationsaustausch und Vernetzung untereinander macht Sinn. Hierbei hilft die Internetplattform soliserv.de, die derzeit ihr zehnjähriges Bestehen feiert.

Angefangen hat alles im Mai 1998, als sich die Gewerkschaften mit dem neuen Medium Internet noch schwer taten. Inspiriert vom »Solinet« – einer auf Basis von Newsgroups betriebenen Gewerkschafterplattform, die Mitte der 90er entstanden, nach einigen Jahren jedoch eingeschlafen war –startete Georg Dresel das Projekt »Soliserv«. »Ich meinte, daß das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muß. Die Betriebs- und Personalräte sollten von den Erfahrungen anderer Kollegen lernen können«, erläutert der ehemalige IG-Metall-Betriebsrat und »Soliserv«-Initiator die Idee gegenüber jW.

Mehr als 550 Betriebsvereinbarungen enthält die im vergangenen Jahrzehnt entstandene Sammlung. Per Mail können sie kostenlos bestellt werden – in anonymisierter Form, ohne die Namen von Betrieben oder Beteiligten, versteht sich. »Es geht nicht darum, fertige Betriebsvereinbarungen einfach abzuschreiben, schließlich hat jeder Betrieb seine Eigenheiten. Dennoch kann es von großer Hilfe sein zu gucken: Wie haben es die anderen geregelt«, erklärt Dresel. In den Gewerkschaftsapparaten sei gerade die Veröffentlichung von Betriebsvereinbarungen zu Beginn skeptisch gesehen worden.


Von betrieblichen Interessenvertretern wird die Internetplattform hingegen intensiv genutzt: Als Informationsquelle – neben den Betriebsvereinbarungen finden sich über 4000 Entscheidungen des Arbeits- und Sozialrechts – aber auch als Diskussionsforum. Mehr als 750 Betriebs- und Personalräte debattieren über die geschlossene Mailingliste »SoliDebatte«. Im Mai 2004 kam das Forum »Soziale Dienste« hinzu, in dem sich Beschäftigtenvertreter aus dem Gesundheits- und Sozialwesen austauschen können. Seit etwa einem Jahr steht zudem ein Pressespiegel zur Verfügung. Im Unterschied zum Labournet geht es Dresel und seinen Unterstützern aber nicht in erster Linie um politische Entwicklungen, sondern um Service und Debatte unter betrieblichen Interessenvertretern.

(dab)

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