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Aus: Ausgabe vom 03.04.2008, Seite 13 / Feuilleton

Berliner Ökonomie

Nach dem Trara um zwei ehemalige Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit in der Redaktion der Berliner Zeitung will nun die große Mehrheit der Redaktion Anträge auf Akteneinsicht bei der Birthler-Behörde stellen. Wie der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla, in der Mittwochausgabe des Blattes schreibt, stimmten dem bei einer Vollversammlung am Dienstag in einer anonymen Abstimmung 85 der anwesenden Redaktionsmitglieder zu. Zwei Redakteure hätten dies abgelehnt, zwei sich der Stimme enthalten.

Nach den Vorstellungen von Chefredakteur Josef Depenbrock sollen außerdem Wissenschaftler der FU Berlin und der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder die Arbeit jedes einzelnen Journalisten der Redaktion überprüfen und dabei »auch möglichst die Akten der Birthler-Behörde sichten«. Wie so oft lenkt eine sogenannte Stasi-Debatte vom wesentlichen ab: Wenn die Redaktion sich selbst untersucht, wird ihr seit längerem schwelender Protest gegen Depenbrock schwächer. In seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer und Chefredakteur ist Depenbrock der Exekutor der wachsenden Renditeforderungen der Finanzgruppe Mecom, die die Berliner Zeitung 2005 gekauft hatte. In der Folge fliegen oder fliehen Redakteure. (jW)

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