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Leserbrief zum Artikel Neuwahl der CDU-Spitze: Gunst der Stunde vom 26.10.2020:

Monopoly-Spiel

45 Prozent der Unionsmitglieder für Friedrich Merz? Das könnte zu befürchten sein. Unter der Wählerschaft der Union dürften es hoffentlich allerhöchstens halb so viele sein für den windigen Monopoly-Spieler und Hallodri. Selbst die Rentnerinnen und Rentner, die ihre wohlverdiente Rente noch in Euro und Cent und nicht in Aktien erhalten, werden – soweit noch halbwegs ehrbar katholisch – noch ein Minimum an Solidarität mit ihren Kindern und Enkeln aufbringen, die dieser Merz mit Aktien abspeisen will. Zudem heißt CDU-Vorsitzender zum Glück nicht automatisch Kanzlerkandidat. Die Richtlinienkompetenz so einem da vor die Füße zu werfen? Niemals! Sicherer wäre es, die Merz-Gefahr prophylaktisch zu verhindern. 2019 lag die Union in der »Sonntagsfrage« schon einmal mit 24 Prozent gleichauf mit den Grünen. Da der Altersdurchschnitt der Unions-Klientel etwa so hoch ist wie bei SPD und AfD, hoffte ich immer noch ein wenig auf demographische Lösungen zugunsten eines Bundeskanzlers Robert Habeck. Mit Aussterben einiger CDU-Senioren und Nachwachsen von Jungwählerinnen und -wählern hätte das bis 2021 klappen können. Augenblicklich profitiert die Union schwindelerregend mit über 30 Prozent (!) sowohl vom Exekutivbonus der Klopapierkrise (den ihr die schlafmützige SPD natürlich willig ganz allein überlässt wie stets) als auch vom Merkel-Bonus bei den humaneren Christinnen und Christen. Dürfen wir bei Merz-Gefahr im Verzug auf ein Abrutschen der Union um zehn bis 15 Prozentpunkte hoffen? Das Potential dürfte, so sieht es auch die Union selbst, vorwiegend an die Grünen gehen. Oder muss sicherheitshalber Rezo noch einmal ran? Soviel »Influence« wie der schaffe ich auch mit drei Dutzend Leserbriefen nicht. Also nur zu! Was aber bedeutet die seltsame SPD-»Kanzlerkandidatur« von Olaf Scholz? Nicht nur, dass eine solche bei einer 14-Prozent-Partei ähnlich arrogant wirkt wie FDP-Westerwelles »Projekt 18«; ausgerechnet einen Monopoly-Spieler Scholz auszugucken stellte leider eine Steilvorlage für Monopoly-Spieler Merz dar. Also, ich spiele lieber Halma, »Dampfross« oder das Quartett »Schönes Österreich« als Monopoly, auch wären dem Sauerländer Merz allerlei hübsche Wanderwege eher zu empfehlen als Monopoly. Oder bedeutete die Frühbenennung von Scholz, dass die SPD noch eine ernsthafte Kandidatur aus dem Hut zaubern will? Soll umgekehrt von der ewigen – demokratisch unfairen – Groko endgültig zur vereinigten SPCDU übergegangen werden, angesichts des offensichtlichen Personalmangels beider Ex-»Volks«-Parteien? Dann könnte Scholz CDU-Kandidat werden, was inhaltlich-programmatisch zu ihm passen würde.– die eine oder andere Korruptionsaffäre stört dabei ja heute auch nicht mehr. Und die schon seit Schröder vernachlässigten sozialdemokratischen Wählerinnen und Wähler müssten eben nach sozialdemokratischen Programmpunkten bei Grünen und Linken suchen, wo sie leichter zu finden sind als bei der »S«PD oder bei der SPCDU.
Bernhard May, Solingen
Veröffentlicht in der jungen Welt am 31.10.2020.