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Leserbrief zum Artikel Israelkritik: Boykott und Erinnerung vom 24.06.2020:

Unrecht rechtfertigt kein Unrecht

Norman Paech schreibt in dem Artikel: »Unsere Verantwortung« – als deutsches Volk – »für den Holocaust erstreckt sich bis in die Gegenwart nicht nur auf den Staat, in dem die Überlebenden« der Nazimordmaschinerie »Zuflucht gefunden haben, sondern auch auf die Palästinenser, die dieser Zuflucht weichen mussten«. Ja zur Verantwortung, soweit überhaupt ein junger Deutscher von heute für die Untaten seiner Groß- und Urgroßväter verantwortlich gemacht werden sollte, aber – mussten sie denn »weichen«? Auf dem Gebiet Israels, so die UNO damals, sollten jüdische Einwanderer und arabische Bevölkerung gleichermaßen leben! Doch es gab einen »Plan Dalet«, um das zu verhindern! Selbst bei der Passivsatzform »Sie wurden vertrieben« bzw. »Sie wurden nicht wieder in ihre Häuser und Dörfer gelassen« bleibt im unklaren, wer vertrieb, wer warum die Rückkehr verhinderte usw. Viele der 531 palästinensischen Dörfer und Weiler, die von der Landkarte verschwunden sind, wurden nicht einmal neu besiedelt, sondern eingeebnet, »plattgemacht« und dann aufgeforstet! Damit Israel rein jüdisch sein oder werden könne (eine Illusion – rund 20 Prozent der Inhaber israelischer Pässe sprechen heute arabisch), wurden deren Bewohner vertrieben bzw. wurde den Geflohenen die Rückkehr verwehrt! Was ist ethnische Säuberung denn sonst? Und die ist ein internationales Verbrechen. Das auch Deutschland verurteilen muss. Ohne Wenn und Aber. Erlittenes Unrecht, selbst extremstes Unrecht in der Vergangenheit, rechtfertigt kein verübtes Unrecht jetzt und heute! Ein (Zitat) »Leben unter Besatzung, Gewalt und Unterdrückung« rechtfertigt Widerstand – in welcher Form, müssen die Unterdrückten wohl selbst entscheiden dürfen! Der ANC entschied sich nach ergebnislosen Jahren des friedlichen Widerstandes gegen Südafrikas Rassisten für den bewaffneten Kampf! Dagegen ist BDS noch eine sehr gemäßigte Form des Kampfes! Und da Unternehmen, die in israelischen Siedlungen im Jordantal produzieren, als Herkunftsort einen Geschäftssitz im »Israel in den Grenzen von 1949 bis 67« angeben, kann sich BDS nicht auf die illegalen Siedlungen außerhalb desselben beschränken. Die Kennzeichnungspflicht für Waren »aus Israel« wird bewusst umgangen – woran sich ja bereits seit Jahren die EU stößt, doch mit geringem Nachdruck und Erfolg. BDS muss also wohl umfassend sein – wie gegenüber Südafrika unter den Rassisten!
Volker Wirth, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 26.06.2020.
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