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Leserbrief zum Artikel Ideologiekritik: Wo hat Opa die Juden versteckt? vom 08.02.2020:

Differenziertere Rolle

Jakob Hayner hat in seiner Rezension zu Eike Geisels Schriften leider einige Fehlinformationen über den großen Polemiker kolportiert, der ohne Frage typisch Deutsches gekonnt aufspießte. Falsch ist die Behauptung: »Die Staatsgründung Israels war für ihn eine Konsequenz aus dem Holocaust.« Dies trifft auf den Eike Geisel der 70er Jahre mitnichten zu, da positionierte er sich klar antizionistisch, und den Zusammenhang der zionistisch motivierten Staatsgründung zu dem Holocaust wies er deutlich und äußerst polemisch zurück. Das mag man selbst nicht teilen und Eike Geisel hat implizit in seinen Texten ab den 80er Jahren deutlich gemacht, dass er diesen radikalen Antizionismus nicht mehr vertritt. Aber historisch war das große Idol der späteren Antideutschen in seiner linksradikalen Phase Antizionist in der internationalistischen Tradition von Matzpen, tendierte also auf eine arabische Revolution, die alle Staatengebilde des nahöstlichen Raums zugunsten einer Rätedemokratie auflösen sollte. Dass Geisel zu einer Ikone der proisraelischen und proimperialistischen Antideutschen werden konnte, kommt auch nicht ganz von ungefähr, wurzelt aber natürlich nicht in seiner 70er Jahre Position. Geisel attackierte 1991 zu Golfkriegszeit im Verbund mit Henryk M. Broder die Friedensbewegung und Antimilitaristen wie Ekkehard Krippendorff mit zuweilen unhaltbaren Behauptungen und Unterstellungen. Man ahnt es: Diese seien in ihrem Agieren antiamerikanisch und antisemitisch motiviert. Es wäre im Sinne einer korrekten linken Geschichtsschreibung durchaus angesagt, den ganzen Eike Geisel in den Blick zu bekommen. Und dessen intellektuelle Rolle ist nun mal differenzierter und kritischer zu betrachten, als es in der Rezension von Jakob Hayner geschieht.
Gerhard Hanloser, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 13.02.2020.