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Leserbrief zum Artikel Klassenanalyse: Blinde Macht vom 25.10.2019:

Nicht blind, unwissend

Eigentlich bin ich es leid, immer wieder von linker Seite zu hören, dass wir Arbeiter »blind« seien, weil uns Klassenbewusstsein etc. fehle.
Als ich den Artikel las, ist mir deutlich geworden, dass, im Grunde genommen, linke Professoren und Studenten etc. eigentlich keine Ahnung davon haben, was uns Arbeiter wirklich bewegt und was wir wollen. Seitenweise wird rumtheoretisiert, ohne konkrete Antworten und authentische Erfahrungen zu benennen. Das führt dazu, dass eine linke Theoriesuppe entsteht, in der alles nebeneinander »rumschwimmt«, aber nix Bedeutungsvolles zu erkennen ist.
Der Autor sagt z. B.: »Industrie- und Produktionsarbeiter … gelten … als schwer mobilisierbare Klientel mit Tendenz zur Wahlenthaltung.«
Er sagt aber nicht, warum das so ist – weil er es nicht weiß.
Hier sagt der Autor: »Wer sich zur Arbeiterschaft zählt, empfindet sich häufig selbst als gesellschaftlich abgewertet.«
Das ist richtig – hilft aber nicht weiter. Es hilft nur weiter, wenn man sagt, was sich dahinter verbirgt und wie man das beseitigt.
Weiter sagt der Autor: »Lohnarbeitsklasse … gewerkschaftliche Organisierung verweigern, in ihren männlichen Teilen in überdurchschnittlichem Maß für konservative oder gar rechtspopulistische Parteien votieren ...«
Die Frage nach dem Warum. Warum neigen Arbeiter dazu, mit ihrem primitiven und unwissenden politischen Bewusstsein AfD etc. zu wählen? Ihre politische Haltung leitete sich ab aus ihrer Arbeitswelt. Ihre Tätigkeit in der Arbeitswelt bestimmt ihre politische Denkweise.
Ihre Arbeit ist immer mit einem Ergebnis (Produkt) verbunden. Mit ihren Handgriffen und Material erzeugen sie ein Produkt gleich Ergebnis.
In der produktiven Arbeitswelt benötigt man keine Theorie zur Herstellung eines Produktes. Handgriffe und Fertigkeit sind notwendig, um zu einem Ergebnis zu kommen. Diese Erfahrung spiegelt sich in ihrer politischen Haltung wieder. Wenn politische Veränderung, dann muss sie »Hand und Fuß« haben.
Manni Guerth