Gegründet 1947 Montag, 26. August 2019, Nr. 197
Die junge Welt wird von 2208 GenossInnen herausgegeben

Leserbriefe

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bitte beachten Sie, dass Leserbriefe keine redaktionelle Meinungsäußerung darstellen. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zur Veröffentlichung auszuwählen und zu kürzen. Leserbriefe sollten eine Länge von 2.500 Zeichen (etwa 390 Wörter) nicht überschreiten. Kürzere Briefe haben größere Chancen, veröffentlicht zu werden. Bitte achten Sie auch darauf, dass sich Leserbriefe mit konkreten Inhalten der Zeitung auseinandersetzen sollten. Ein Hinweis auf den Anlass Ihres Briefes sollte am Anfang vermerkt sein (Schlagzeile und Erscheinungsdatum des betreffenden Artikels bzw. Interviews). Online finden Sie unter jedem Artikel einen Link »Leserbrief schreiben«.

Einsendungen bitte an: leserbriefe@jungewelt.de

Nur Leserbriefe, die an diese Mailadresse geschickt werden, werden von uns berücksichtigt!

Per Post: junge Welt, Torstr. 6, 10119 Berlin, Kennwort: Leserbriefe

 

Leserbrief zum Artikel Sanktionsregime: Unter Marktpreis vom 12.08.2019:

Keine Überraschung

Im dritten Satz gleich die zutiefst wahre Wendung, »eine für das Amt angemessene Bleibe zu finden« sei Aufgabe der Hartz IV beziehenden Menschen – worin schon enthalten ist, dass solche Wohnungen eher nicht für die Betroffenen angemessen sein dürften. Die Ruchlosigkeit, mit der ein Landkreis weder Erhebungen über angemessene Wohnungsangebote führt, die noch dazu von einer sozial desinteressierten Firma vorgelegt werden, noch Erhebungen führt über die Zahl der Sozialhilfebezieher, die zur Miete aus dem Regelsatz zuzahlen müssen, ist nicht minder empörend als die Dreistigkeit, mit der Urteile des Bundessozialgerichts nicht umgesetzt werden. Es lässt sich der Eindruck nicht abweisen, dass die Ärmsten in der Gesellschaft auf die Dörfer in die Bedeutungslosigkeit und vor allem Unsichtbarkeit gedrängt werden – zu für sie unbezahlbaren Bedingungen. Man reizt das Volk solange weiter, bis es wieder mit der Mistgabel vor dem Rathaus steht oder in Brüssel, wo ja unsere nationalen Gesetze durch schlechtere ersetzt werden (sorry, nationale Interessen zu vertreten ist ja ganz rechts). Ein britischer konservativer EU-Abgeordneter sagte im vorigen Jahr angesichts solcher Ungeheuerlichkeiten: »It wouldn't surprise me, if some day the people will storm this house and hang you all!« (Es würde mich nicht überraschen, wenn eines Tages die Leute dieses Haus stürmten und alle hängten) Sie wissen, dass sie es verdient hätten.
Cornelia Praetorius, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 14.08.2019.