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Leserbrief zum Artikel Diffamierungskampagne: Gehorsamst pro Netanjahu vom 08.07.2019:

Antisemitismuskeule gegen Juden

Der Anti-BDS-Beschluss des Bundestags, der unkritisch die gewollt schwammige und neuzionistische »Antisemitismus« -Definition der »Internationalen Holocaustgedenkallianz« (IHRA) übernahm, hat so richtig die Hetzjagd auf Kritiker der Unterdrückungs- und Apartheidpolitik der israelischen Regierung gegenüber dem palästinensischen Volk eröffnet bzw. verschärft. Von wegen Meinungsfreiheit und Art. 5 GG! Jetzt wird auch die »Antisemitismuskeule« gegen jüdische Mitbürger und Organisationen geschwungen.
Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat jedoch die Kündigung des Kontos der »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« (JS), die dem Netzwerk »European Jews for a just Peace« angehört, durch die Bank für Sozialwirtschaft (BFS). Man wirft der »Jüdischen Stimme«, die für eine gerechte Friedenslösung zwischen Israel und Palästina eintritt, BDS-Unterstützung vor.
In München berichtete bei der Veranstaltung »Meinungsfreiheit in Gefahr« Frau Nirit Sommerfeld von der »Jüdische Stimme« von ihrem Brief an die BFS. Hier einige bewegende Auszüge, die für uns alle geschrieben sind: »Glauben Sie, es macht mir oder uns anderen Juden und Jüdinnen, die sich bei der JS engagieren, Freude, über die Untaten der israelischen Regierung zu sprechen? Glauben Sie ernsthaft, ich mache dies aus Selbsthass? (…) Können Sie sich nicht vorstellen, dass wir (…) uns schon seit Jahren Tag und Nacht den Kopf darüber zerbrechen, wie dem Unrecht beizukommen sei? Wie wir den Palästinenser*innen, die sich der Gewaltfreiheit verschrieben haben, zur Seite stehen können? Haben wir nicht klar auf unserer Website formuliert, dass wir uns von jeder Form von Gewalt distanzieren? Daher unterstützt die JS in ausgewählten Fällen, die mit unseren Prinzipien einhergehen, bestimmte BDS-Aktivitäten.
Wie können Sie es wagen, uns deswegen als antisemitisch zu diffamieren? (…) Was Sie tun, ist vorauseilender Gehorsam – aber ich frage Sie: Steht bei Ihnen die SA vor der Tür, so wie sie bei den Nachbarn meines Großvaters vor der Tür stand, die ihn unter Lebensgefahr versteckten?«
Leonhard Schäfer, Florenz/Italien