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Leserbrief zum Artikel Geschichte Vietnams: Das Werk Zehntausender vom 15.05.2019:

Wir fuhren auf dem Ho-Chi-Minh-Pfad

Es war auf einer Fahrt nach Süden, die uns während unserer Einsatzes von 1967 bis 1970 in der Demokratischen Republik Vietnam in die etwa 150 Kilometer südlich von Hanoi im westlichen Gebiet von Thanh Hoa liegende Bergregion der Minderheit der Thai an der laotischen Grenze führte. Vor einem schwer bombardierten Straßenabschnitt mussten wir seitlich auf eine der zahlreichen Umgehungsstraßen ausweichen. Nach einiger Zeit stießen wir auf eine gut betonierte Straße, bedeutend breiter als üblich, vor allem aber von dichtem Wald überdeckt. Uralte immergrüne Bäume schlossen sich über uns zu einem undurchdringlichen Dickicht zusammen. Wir stießen bald auf eine Kolonne schwerer LKW, ihre Ladung war mit Planen abgedeckt, fast alle zogen schwere Feldgeschütze. Der Kradfahrer am Ende der Fahrzeuge gab ein Zeichen, und unser Fahrer verringerte das Tempo, so dass der Konvoi bald wieder unseren Blicken entschwand. Unsere beiden Begleiter, ein Mitarbeiter des Außenministeriums und ein Offizier der Volksarmee, antworteten wortkarg auf unsere Fragen nach der Straße.
Es dauerte einige Zeit, bis wir auf einen abzweigenden Feldweg stießen. Unser Offizier studierte seine Karte. Es schien sich um eine befahrbare Route zu handeln. Wir bogen ab. Es war klar, wir hatten einen Abschnitt des geheimen, nach Süden führenden Straßennetzes passiert, das als »Ho-Chi-Minh-Pfad« durch die westliche Pressewelt geisterte. In beeindruckender und informativer Weise berichtet Hellmut Kapfenberger, der uns mit seiner Frau zu seinem ersten Einsatz in Hanoi im Oktober 1970 ablöste, über den Bau des für den Sieg Vietnams 1975 im Befreiungskrieg gegen die US-Aggressoren so bedeutenden »Ho-Chi-Minh-Pfades« in seinem jüngsten, dritten Buch. Er kommt einem schon lange bestehenden Bedürfnis nach, zu erfahren, wie die vietnamesischen Militärs frühzeitig dem strategischen Erfordernis entsprachen, die Versorgung der im Süden kämpfenden Truppen mit schweren Waffen, Munition und Treibstoff zu gewährleisten. Die Zeit aus Hamburg bestätigte am 5. Mai 1972, wie das für die zu dieser Zeit geführte Offensive im Süden gelang: »Die logistische Vorbereitung der Offensive war hervorragend. Trotz eines unaufhörlichen Flächenbombardements auf die Nachschubwege, trotz ausgedehnter Säuberungsaktionen, (…) trotz eines ausgeklügelten Überwachungssystems ist es dem Generalstab (…) möglich gewesen, über Hunderte Kilometer schwere Panzer und schwere Geschütze bis tief in den Süden zu schaffen.«
Wenn Hellmut von den Zehntausenden Opfern, die der Bau dieser Siegesroute kostete, darunter viele Jugendliche, vor allem Mädchen, schreibt, können wir auch das von so vielen Begegnungen, darunter an der zentralen Straße Nummer eins, bestätigen. Einmal begegneten wir, einige Meter von der Straße entfernt, fünf Mädchen in einer einfachen Bambushütte, die für die Instandhaltung eines Abschnittes verantwortlich waren. Oft krampfte sich uns das Herz zusammen, diese blutjungen Mädchen zu sehen, die mit bewundernswürdiger Hingabe arbeiteten und oft schon den nächsten Luftangriff nicht überlebten. Nachzulesen in unserem Buch »Sieg in Saigon. Erinnerungen an Vietnam«, Pahl-Rugenstein, 2. Auflage, Bonn 2005, S. 26, 37ff., 194.
Irene und Gerhard Feldbauer
Veröffentlicht in der jungen Welt am 16.05.2019.
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    Dieter Luhn, Berlin