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Leserbrief zum Artikel Konjunktur: Arm trotz Arbeit vom 29.11.2018:

Menschenverachtende Haltung

Sie feiern sich da oben, diffamieren die ganz unten, und alle machen mehr oder weniger mit. Habeck von den Grünen will Hartz IV abschaffen. Frau Nahles hat in ähnlichem Sinne sich bereits heiser geschrien. Scheinbar aber nicht ganz ernst gemeint oder nur als kosmetische Abschaffung. Die Wirtschaft dürfte ihr sicher die Grenzen des Spaßes gezeigt haben. Was Wirtschaft zu solchem Vorhaben denkt, wurde kommentiert. Natürlich ist die Situation der SPD so, dass ihr etwas einfallen muss, um nicht ganz den Faden zur Macht zu verlieren. Die Grünen können trotz Höhenflugs nicht sorglos sein, wenn es um Macht- und Regierungsteilhabe geht. Es scheint nun doch nach Jahren des Verleugnens, Ignorierens bis gemeinsamen Feierns des angeblichen Beschäftigungswunders Teilen der Politik die Wirklichkeit und Wahrheit auf die Füße zu fallen. Es ist zu bezweifeln, dass diese Politik sich bewegen lässt von den Schicksalen und Leidenswegen Betroffener, wie sie im Artikel beschrieben werden. Für SPD und Grüne ist es etwas schwieriger, wachsende Armut, soziale Dekadenz ihrer Klientel und Wählerschaft zu erklären. Man wird sehen, wie sie sich noch herumwinden und den Spagat hinbekommen, nichts zu ändern, aber so zu tun, als habe man Großartiges vollbracht. Am Ende ist nur wirklich etwas daran zu ändern, abzuschaffen oder in wirkliches »Fördern und fordern« zu wandeln, wenn Arbeitslosigkeit nicht als individueller Makel, Faulheit, Bequemlichkeit, Schmarotzertum, soziale Hängematte verstanden und wesentlich in diffamatorischer Absicht kommentiert und diskutiert wird. Solange Politiker mit großer Zustimmung und oft unwidersprochen darüber schwadronieren dürfen und können, dass angeblich so viele arbeiten könnten und nur nicht wollten, solange werden es leere Sprüche bleiben, die Nahles bis Habeck aussenden. In ihren Parteien wäre es notwendig, sich wieder die alte und aktuelle Erkenntnis auf die Fahnen zu schreiben, wonach Arbeitslosigkeit in allen Formen des Elends und Unmenschlichkeit dieser Marktwirtschaft entspringen und Arbeitsunwillige dabei eine zu vernachlässigende Größe sind. Solange nur Rahmenbedingungen für die Wirtschaft das Maß der Politik sind und Rahmenbedingungen menschlicher Art, der Umgang mit Menschen, ihre Diffamierung und Beschuldigung unbedeutend sein sollen, solange wird sich nichts ändern. Es werden Menschen in Bedingungen, Zustände und Verhalten getrieben, die sie von Natur her nie wollen und wünschen.
Roland Winkler, Aue
Veröffentlicht in der jungen Welt am 05.12.2018.