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Leserbrief zum Artikel Kommentar: Kein Kaiser noch Tribun vom 06.08.2018:

Gegen die Zerrissenheit

Um eine erste ernsthafte Analyse abgeben zu können, muss zunächst die Pressekonferenz am 4. September 2018 abgewartet werden. Doch schon heute scheint klar: Politiker aller Couleur bringen sich in Stellung! Ralf Stegner (SPD) spricht von »dem Egotrip notorischer Separatisten«. Auch in den »Tagesthemen« meldeten sich Vertreter der sogenannten Demokratie zu Wort. Gero Neugebauer, Politikwissenschaftler der Freien Universität Berlin, sprach von einer »Kopfgeburt«, Annalena Baerbock (Grüne) weiß: »Es wird keine Sammlungsbewegung von Sahra Wagenknecht und den Grünen geben«, und Thomas Opperman (SPD) redet von »Spaltung der Gesellschaft«. Offenbar ist einigen entgangen, dass die Gesellschaft längst gespalten ist und Demokratie Herrschaft der Mehrheit der Bevölkerung bedeutet, nicht Herrschaft der Minderheit mit der Mehrheit an Vermögen! So wünschenswert »offene Grenzen für alle« sind, im jetzigen Gesellschaftssystem nutzen offene Grenzen dem grenzenlosen Lohndumping! Das bei der Integration sichtbar gewordene Staatsversagen macht deutlich, derzeit bleibt dieser Wunsch ein Traum und kann für die Lohnabhängigen zum Alptraum werden. Staatliche Aufgaben werden auf die Ehrenamtlichen abgewälzt, die dann als »Gutmenschen« oder »linke Trolle« bezeichnet werden. Vielen Menschen ist das bewusst geworden, sie organisieren sich in den sozialen Netzwerken. Diese zu bündeln muss eines der Ziele sein! Wem nützt es, wenn jeder sein »eigenes Süppchen kocht«, jeder den eigenen Vorgarten sauber hält und dann wie 1945 in Schutt und Asche versinkt? »Über die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterklasse gibt es keine Diskussion mehr«, so Otto Grotewohl am 23. Dezember 1945, und weiter: »Die Entwicklung und Ausbreitung des Imperialismus und die dadurch entstandenen Probleme haben die Arbeiterbewegung immer mehr zerklüftet. Die Zerrissenheit war neben anderen Ursachen ein Hauptgrund dafür, dass Hitler zur Macht kam.«
Vertreter des Kapitals wünschen keine »Experimente«, sie brauchen Kontinuität für die Erhöhung der Profitrate!
Uwe Joachim
Veröffentlicht in der jungen Welt am 14.08.2018.

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