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Leserbrief zum Artikel Kommentar: Kein Kaiser noch Tribun vom 06.08.2018:

»Aufstehen« verdient Vertrauen

Sehr geehrter Herr Mellenthin, ich bin Abonnent der jungen Welt, und normalerweise schätze ich Ihre (und andere) Beiträge in dieser Zeitung sehr. Die junge Welt ist für mich eine der ganz wenigen Zeitungen, die viel sachliche Informationen und Hintergründe bringt, aber nicht die übliche Propaganda nachplappert. Ihr oben genannter Kommentar enttäuscht mich allerdings sehr. Natürlich können Sie das Vorhaben von Frau Wagenknecht kritisieren, und Sie können eine Prognose des Scheiterns abgeben. Aber bitte sachlich und fundiert!
»Welches politische Programm ...«: Kennen Sie eine politische Partei oder Bewegung, die schon vor der Gründung ein ausformuliertes Programm vorgelegt hat? Aber die grundsätzliche Richtung ist jedem bekannt, der die Beiträge, Reden, Bücher von Frau Wagenknecht zur Kenntnis genommen hat. Man kann also einschätzen, ob das grundsätzlich der eigenen politischen Einstellung entspricht, ob die richtigen Themen angesprochen werden oder nicht. Und bei Frau Wagenknecht vertraue ich darauf, dass sie zu ihren Themen steht, im Gegensatz zur SPD.
Gegen das bayerische Polizeiaufgabengesetz hätte Frau Wagenknecht nach meinem Eindruck sicherlich auch protestiert (wenn sie in Bayern leben würde). Was allerdings Ihre »wirklichen Bewegungen« sind, Herr Mellenthin, weiß ich nicht. Ja, Fußball ist eine Bewegung, hat aber mit linker Politik nichts zu tun und geht mir gegen den Strich.
Ansonsten lese ich aus Ihrem Text nur noch »offene Grenzen für alle« heraus. Ist das Ihr Rezept gegen den ungebremsten Kapitalismus? Oder gegen die Fluchtursachen? Eine Welt ohne Grenzen mag es im Paradies geben, aber das ist kein Rezept zur Lösung der aktuellen Probleme.
Bitte überlegen Sie: Was sind die wichtigsten Themen für die »normale« Bevölkerung in Deutschland, in der EU ...? Was würde insbesondere den Schwächsten in unserer Gesellschaft am meisten helfen? Womit könnte man am meisten Wähler für eine linke Politik mobilisieren? Ich glaube, dass diese Themen von Frau Wagenknecht ziemlich gut vertreten werden und dass diese in ein Programmpapier einfließen würden.
Wilhelm Methfessel
Veröffentlicht in der jungen Welt am 09.08.2018.

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