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Leserbrief zum Artikel Geschichtspolitik: Wahrheiten aus der Grauzone vom 16.04.2018:

Akribie und Klassenkampf

Dass die Geschichte des Widerstands im KZ Buchenwald einmal mehr rehabilitiert und insbesondere die Problematik des sogenannten »Opfertausches« ins rechte Licht gerückt wurde, ist erfreulich. Die französische Autorin Sonia Combe, lobt Sabine Kebir, habe die Diskreditierung der Kommunisten durch sachkundige Argumentation ad absurdum geführt. Ärgerlich sind allerdings diverse Fehler, die ihren Weg vermutlich vom Buch in Kebirs Artikel fanden: So heißt es, viele deutsche Häftlinge seien 1943 »oftmals schon an die zehn Jahre in Buchenwald« gewesen, obwohl das Lager erst 1937 errichtet worden war. Die Franzosen wiederum stellten keine 40 Prozent der Belegschaft (die größte Häftlingsgruppe waren die Sowjetbürger, zumeist Russen und Ukrainer), und die Gründung ihres illegalen »Komitees für französische Interessen« 1944 ging auch mitnichten der Entstehung anderer nationaler Untergrundorganisationen voraus. Die österreichischen und tschechoslowakischen Kommunisten z. B. organisierten sich bereits 1939/40. Falsch ist auch, dass die nationalen Gruppen entsprechend ihrer numerischen Stärke ins Internationale Lagerkomitee (ILK) involviert gewesen seien. Tatsächlich hatten sie dort jeweils ein bis zwei Delegierte, die Deutschen drei.
Ein bisschen mehr Akribie ist doch erforderlich, wenn man sich mit den bürgerlichen Historikern anlegt und in diesem Konflikt auch bestehen will. Combes Forderung, den Antifaschismus von ideologischer Instrumentalisierung zu befreien, damit er »zum legitimen ›Teil der kollektiven europäischen Erinnerung‹ werden kann«, ist anständig, verkennt aber, dass geschichtspolitische Diskurse, die in Klassengesellschaften geführt werden, Klassendiskurse sind. Es scheint mir nicht ratsam, von diesem Wissen abzufallen.
Ulrich Peters
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