Leserbriefe

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Leserbrief zum Artikel Arbeitsmarkt: Prekärer Jobboom vom 01.12.2017:

Falscher Begriff

Ein informativer Beitrag. Nur sollte nicht der Begriff Zeitarbeit verwendet werden. Die Leiharbeitsfirmen kämpfen seit Jahren für die Verwendung dieses Begriffs. Er treibt die Verharmlosung auf die Spitze. Ist nicht jede befristete Arbeit Arbeit auf Zeit und damit Zeitarbeit und wird nicht fast nur noch befristet eingestellt? Der Begriff Leiharbeit ist auch nicht genau. Denn nicht die Arbeit wird verliehen, sondern die Arbeitskraft; noch genauer: Sie wird vermietet; denn Miete ist – anders als Leihe – die entgeltliche Überlassung einer Sache zu ihrem Gebrauch. Aber müssen sich nicht alle Lohnabhängigen »verdingen«, wie man vielleicht etwas altertümlich, aber auch präzise sagt? Aber: Nur eine Leiharbeitskraft kann weiterverliehen bzw. genauer weitervermietet werden. Und das trifft das Wesen der Leiharbeit, über das nur allzuhäufig hinweggesehen wird: Die Leiharbeitskraft kann jederzeit vom Einsatzbetrieb abgemeldet werden – mit enormen Folgen für die Arbeitsbedingungen: Wegezeit, Arbeitszeit, Arbeitsbelastungen, Entgelt – alles kann sich im neuen Einsatzbetrieb verschlechtern; und dabei ist überhaupt nicht sicher, wann überhaupt ein neuer Einsatz erfolgt. Das eröffnet gegenüber dem Leiharbeiter enorme Disziplinierungsmöglichkeiten. »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« hilft da nicht weiter; denn das gilt immer nur für den Vergleich mit den Stammarbeitskräften im jeweiligen Einsatzbetrieb. Der Begriff Leiharbeit vermittelt zumindest eine Ahnung davon, was Leiharbeit ist, der Begriff Zeitarbeit nicht.
Benedikt Hopmann, Berlin
Veröffentlicht in der jungen Welt am 06.12.2017.