Aus: Ausgabe vom 17.02.2017, Seite 16 / Sport

Sie sollte die Sonne meiden

Biathlon-WM: In der Staffel könnte Laura Dahlmeier heute zur fünften Medaille laufen

Von Jens Walter
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»Temperaturen wie im Sommer« – Laura ­Dahlmeier im Einzel am Mittwoch

»Sie ist unser Joker«, sagte Zimmerkollegin Maren Hammerschmidt am Donnerstag über Laura Dahlmeier. »Es geht ihr wieder recht gut.« Hammerschmidt und Dahlmeier wollen heute, 14.30 Uhr (ARD), bei der Biathlon-WM im österreichischen Hochfilzen zusammen mit Vanessa Hinz und Franziska Hildebrand den Staffelwettbewerb gewinnen. Es wäre das vierte Gold für Dahlmeier bei diesen Titelkämpfen nach Triumphen in Mixedstaffel, Verfolgung und Einzel sowie Silber im Sprint.

Das kräftezehrende Einzel über 15 Kilometer ging am Mittwoch beinahe über ihre Kräfte. Bei Temperaturen von 15 Grad jubelte die Bayerin im Ziel erst sehr ausgelassen, hyperventilierte dann und musste sich hinlegen. »Das waren Temperaturen wie im Sommer«, meinte sie später und fügte mit einem gequälten Lächeln an: »Ich bin eigentlich Wintersportler.« Mit einer überragenden Laufleistung hatte Dahlmeier ihre ärgste Konkurrentin Gabriela Koukalova (Tschechien, plus 24,7 Sekunden) und die Italienerin Alexia Runggaldier (plus 1:45,6 Minuten) auf die Plätze verwiesen. Weil »alles ein bisschen zuviel« gewesen sei, habe sie »Blutdruckprobleme« bekommen, erklärte die 23jährige nach der Siegerehrung.

Am Tag nach dem Schwächeanfall hätte Dahlmeier liebend gerne ausgeschlafen, wurde aber von Dopingkontrolleuren aus dem Bett geholt und musste sich vor neun Uhr im Labor einfinden. Danach stand lockeres Skiwandern auf dem Programm. »Wir haben ihr gesagt, sie soll die Sonne meiden und ganz bewusst wenig belasten«, erklärte Bundestrainer Gerald Hönig. »Es geht mehr um die Regeneration, als um irgendwas trainieren. Sie soll den Kopf wieder freikriegen und nicht ständig grübeln, was gestern war.« Auch er sei »erst einmal erschrocken« gewesen, als die Überfliegerin der WM auf die Couch gesunken sei. Es habe aber »frühzeitig Entwarnung« gegeben. Glücklicherweise werde es am Freitag wohl kühler. Im übrigen müsse »die Flüssigkeitszufuhr noch ein bisschen bewusster gemacht« werden.

Dreimal war Dahlmeier in dieser Saison Schlussläuferin in der Staffel. Alle drei Rennen wurden gewonnen. »Wenn man zusammen um eine Medaille kämpft und das dann auch schafft, ist es ein unglaubliches Gefühl«, unterstrich sie am Donnerstag noch einmal. Sie könnte heute schon zur erfolgreichsten Deutschen bei einer WM überhaupt werden. Derzeit liegt Magdalena Neuner (dreimal Gold, zweimal Silber) knapp vor ihr, doch nach der Staffel steht in Hochfilzen auch noch der abschließende Massenstart auf dem Programm.

Magdalena Neuner würde Dahlmeier die neue Bestmarke gönnen. »Meine Zeit ist vorbei, ich habe 2012 aufgehört, und jetzt ist eine neue Ära angebrochen«, sagte der Biathlonstar, der im Alter von 25 Jahren überraschend zurückgetreten war. Dahlmeier zieht das zur Zeit nicht in Erwägung, will aber auch nicht wie Ole Einar Björndalen mit 43 noch zur Weltspitze gehören. »Wenn ich aufhöre, bin ich vielleicht 30«, sagte sie unlängst. Sollte sie solange auf diesem Niveau schießen und laufen, wird Magdalena Neuner jedenfalls nicht mehr sagen müssen: »Ich finde, man sollte diese Vergleiche zwischen uns nicht anstellen.«

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