Aus: Ausgabe vom 12.01.2017, Seite 2 / Ausland

Todesurteil für Hassverbrechen

USA: Rassistischer Mörder Dylann Roof zur Höchststrafe verurteilt

Von Jürgen Heiser
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Gedenken an die Opfer der rassistischen Morde vor der »Emanuel African Methodist Episcopal Church« in Charleston (18. Juni 2015)

Der rassistisch motivierte Attentäter Dylann Roof »verdient den Tod für seine hasserfüllten Morde an neun schwarzen Teilnehmern einer Bibelstunde«, erklärte die Jury am Dienstag vor einem US-Bundesgericht in Charleston (South Carolina). Nach knapp dreistündiger Beratung waren die neun weißen und drei schwarzen Geschworenen in den Gerichtssaal zurückgekehrt und hatten einstimmig das Todesurteil für den 22jährigen Roof verkündet.

Dieselbe Jury hatte Roof bereits im Dezember des Vorwurf schuldig gesprochen, ein auf Mord ausgerichtetes Hassverbrechen begangen zu haben, als er im Juni 2015 die Gläubigen in der traditionsreichen afroamerikanischen Kirche »Emanuel African Methodist Episcopal Church« tötete. Damit hat zum ersten Mal ein US-Bundesgericht die Todesstrafe wegen eines Hassverbrechens verhängt. Nach Presseberichten verfolgte Roof die Urteilsverkündung ohne erkennbare Gemütsregung.

In seinem Plädoyer hatte Bundesstaatsanwalt Jay Richardson geschildert, Roof habe sich zunächst 40 Minuten lang zu den arglosen Teilnehmern der Bibelstunde gesetzt und zugehört. Erst als alle zum Gebet die Augen schlossen, habe er mehrere Magazine seiner Pistole mit insgesamt 75 Projektilen auf die Anwesenden verschossen, von denen der Pastor und acht Gemeindemitglieder tödlich getroffen und weitere verletzt wurden.

Während der Verhandlung über das Strafmaß hatte Roof sich laut New York Times entgegen dem Rat seiner Pflichtverteidiger selbst verteidigt, weil er deren Strategie, ihn als »Einzelgänger« darzustellen, »der von rassistischer Hetze im Internet irregeleitet wurde«, ablehnte. In seinem letzten Wort bekannte er sich zu seiner Tat, mit der er »zum Rassenkrieg aufstacheln« wollte. In einem »Manifest« aus der Haft hatte Roof erklärt, er habe getan, was seiner Meinung nach »die größten Wellen erzeugen« würde. Nun liege »das Schicksal unserer Rasse in den Händen meiner Brüder, die noch in Freiheit sind«. Die »weiße Rasse« habe nur eine Zukunft, »wenn sie zur Gewalt bereit« sei. Nach dem Bundesgerichtsverfahren erwartet Roof noch ein Mordprozess vor dem zuständigen Staatsgericht, in dem die rassistischen Morde erneut detailliert verhandelt werden.

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