Aus: Ausgabe vom 11.01.2017, Seite 6 / Ausland

Washingtons Bauchredner

Ghanas neuer Staatschef hat für seine Antrittsrede bei ehemaligen US-Präsidenten abgekupfert

Von Christian Selz, Kapstadt
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Kein magisches Zeptar: Der neue ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo bediente sich bei seiner Rede zur Amtseinführung in Accra bei gleich zwei US-Präsidenten (7.1.2017)

Irgendwie hatte sich Nana Akufo-Addo seinen Amtsantritt anders vorgestellt. Am 7. Dezember hatte der 72jährige Oppositionspolitiker im dritten Anlauf seit 2008 erstmals die Präsidentschaftswahlen in Ghana gewonnen. Am Samstag wurde er in der Hauptstadt Accra vereidigt und hielt eine flammende Rede auf dem Black Stars Square. Doch schon Stunden später ergoss sich Hohn und Spott über den neuen Staatschef. »Ich fordere euch auf, Bürger zu sein, keine Zuschauer; Bürger, keine Subjekte«, hatte Akufo-Addo seinen Landsleuten zugerufen. Daran schien zunächst wenig auszusetzen zu sein – bis auffiel, dass der ehemalige US-Präsident George W. Bush zu seinem Amtsantritt 2001 exakt die gleichen Worte gewählt hatte.

Akufo-Addo hatte also abgekupfert, als er in ein buntes Stoffgewand gehüllt energisch sein goldenes Zepter schwang. Und das gleich doppelt. »Auch wenn unsere Herausforderungen beängstigend sind, unsere Stärken sind es auch. Ghanaer sind immer ein rastloses, nachfragendes, hoffnungsvolles Volk gewesen«, erklärte Ghanas neuer Präsident. Gleiches hatte auch William »Bill« Clinton 1993 über die US-Amerikaner behauptet.

Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet dafür Akufo-Addos Direktor für Öffentlichkeitsarbeit, Eugene Arhin. Einige Medien berichteten sogar bereits von dessen Entlassung, offiziell verkündet wurde die aber zumindest bisher nicht. Arhin hatte sich noch am Samstag für das Fiasko entschuldigt und das Fehlen der Quellenangaben als Versehen bezeichnet. Die Kommunikationsstrategie scheint nachvollziehbar, der Sündenbock versucht, sein Fell zu retten. Dabei war Arhin offensichtlich der einzige, der erkannt hatte, dass man die hohlen Phrasen derer, deren Politik man übernimmt, auch gleich mitkopieren kann.

Denn Akufo-Addo tritt mit einem Programm an, das auch in Washington geschrieben sein könnte: Der neue Staatschef will Steuern senken, um die Wirtschaft zu stärken – und gleichzeitig großangelegt in Landwirtschaft, Bildung und Gesundheit investieren. Von magischen Kräften seines Zepters ist bisher nichts bekannt, und so stellt sich die Frage, wie Akufo-Addo den Widerspruch auflösen will. »Es ist Zeit, wieder zu imaginieren und zu träumen«, sagte er am Samstag und stellte dem eine weitere Legende voran: »Wir benötigen eine lebhafte Privatwirtschaft, um Wachstum anzuregen und Jobs zu schaffen.« Zeitgleich will er Ghana zu einer »wahrhaftig ökonomisch unabhängigen Nation« machen.

Damit das alles auch im Sinne des angesprochenen Kapitals funktioniert, hat Akufo-Addo, der einer langgedienten royalen Politikerdynastie entspringt, den ehemaligen Vizegouverneur der ghanaischen Zentralbank, Mahamudu Bawumia, zum Vizepräsidenten ernannt. Der Mann dürfte wissen, wie toll die neoliberale Medizin wirkt. In seiner Vita findet sich eine Anstellung in der Rechercheabteilung des Internationalen Währungsfonds in Washington.

Den patriotischen Rahmen bilden Appelle an die Bürgerehre. Der »Change«, also der Wandel, für den das Land gestimmt habe, müsse mit jedem einzelnen Individuum beginnen, erklärte Akufo-Addo am Samstag. Es sei »Zeit zu definieren, was es bedeutet, Ghanaer zu sein«. Will sagen: Wenn die Investoren dich ausbeuten, frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern, was du für dein Land tun kannst. Bei John F. Kennedy hat Akufo-Addo aber immerhin nicht wörtlich abgeschrieben.

Dass er sich auch außenpolitisch als Brückenkopf des Westens anbietet, deutete der neue Mann in Accra noch während der Amtseinführung an. Wie das simbabwische Nachrichtenportal Daily News am Montag berichtete, versprach Akufo-Addo dem dortigen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai am Samstag in einem Gespräch seine Unterstützung vor den Präsidentschaftswahlen in Simbabwe im kommenden Jahr. Laut dessen Sprecher Obert Gutu drehte sich die Unterredung hinter verschlossenen Türen um Themen wie »Demokratisierung« und »Transparenz«. Im eigenen Land lobte Akufo-Addo derweil seinen Vorgänger John Mahama für die demokratische Übergabe der Macht. Das konnte ihm nicht selbstverständlich erscheinen: Seine liberal-konservative New Patriotic Party hatte in der Vergangenheit mit nur einer Ausnahme noch jede verlorene Präsidentschaftswahl als unfair angezweifelt.

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