Aus: Ausgabe vom 31.12.2016, Seite 8 / Ansichten

Verlierer des Tages: Kai Diekmann

Von Sebastian Carlens
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Kai Diekmann – die Sorte älterer Männer, die nachts in öffentlichen Grünanlagen für Ärger sorgt

Das war wohl nichts, Kai. Noch am 29.12. bei Twitter gepostet: »Das war MEIN Jahr, das war #2016«. Und dann, einen Tag später, das hier: »Der Herausgeber der Bild-Gruppe, Kai Diekmann (52), verlässt das Medienhaus Axel Springer. Er wird mit Wirkung zum 31. Januar 2017 seine Tätigkeit auf eigenen Wunsch beenden.« Schreibt Bild.

Nun tritt man nicht nach Leuten, die am Boden liegen. Oder eine Brille tragen. Das hat man noch auf dem Bolzplatz gelernt, es sollte universelle Gültigkeit besitzen. Aber hier? Bei dem?

Diekmann ist die eine, die berühmte Ausnahme. Da muss zugetreten werden, hart, immer mitten rein. Fühlt sich doch Bild dann am wohlsten, wenn Blut spritzt und Eingeweide herumfliegen. Falls nicht, wird Abhilfe geschaffen: Für die Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas hat das Fachorgan für angewandte Menschenverachtung mehr geleistet als alle Rechtspopulisten zusammen. Das Bundes-Revolverblatt schuf überhaupt erst das Klima, in dem nun Compact, Politically Incorrect und Anonymousnews gedeihen. Denn da ist man sich in der Springer-Zentrale mit dem IS wie der AfD einig: Ausländer, vor allem Muslime, haben in Europa nichts zu suchen. Diekmann (Kampfname: Abu Gesichtspullover al-Almani) hat dahingehend mehr bewirkt als alle Lkw-Attentäter und braunen Molotowcocktailwerfer zusammen: So viele Menschenleben kann man gar nicht in den Schmutz treten, derart viele Brandsätze (Bild-Auflage: 1.858.085 Exemplare pro Tag) lassen sich gar nicht schleudern wie aus dem Axel-Springer-Haus, dem echt wahrsten Wahrheitsministerium der BRD.

Also alles richtig gemacht – und warum dann der sozialunverträgliche Frühruhestand? »Die Springer-Aktie liegt seit Jahresbeginn um zehn Prozent hinten«, melden Branchendienste am Freitag. Ach so: Kapitalismus.

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