Aus: Ausgabe vom 30.12.2016, Seite 8 / Ansichten

Qualitätsware des Tages: Volkswagen

Von Simon Zeise
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Je schlechter der Ruf, desto besser das Geschäft. Über das gesamte Jahr machte Volkswagen mit Betrügereien auf sich aufmerksam, nun sind die Wolfsburger Weltspitze. Zum ersten Mal wollen sie mehr Autos auf dem Erdenball verkauft haben als Konkurrent Toyota, berichtete das Handelsblatt am Donnerstag. Mit 10,2 Millionen Stück habe VW 100.000 Exemplare der vierrädrigen Gefährte mehr als der Konkurrent auf die Straße entlassen. Das entspreche einer Steigerung von 3,3 Prozent, Qualität setzt sich anscheinend durch. Bereits Henry Ford hatte über die Methoden des Rivalen gemeckert: »Die Japaner haben eine raffinierte Art, ihren Stahl in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Sie malen ihn an, stellen ihn auf vier Räder und nennen das ganze Auto.«

Um gen Osten auszuteilen, muss man gar nicht so weit in der Geschichte zurückgehen. Auch VW-Boss Martin Winterkorn, der im September 2015 seinen Hut nahm, als der Abgasbeschiss ans Licht kam, wusste: »Wenn Sie die Feinstaubmengen nehmen, die ein moderner Dieselmotor ausstößt, liegen die in Peking gemessenen Luftwerte um einiges höher. Ein modernes Auto funktioniert da geradezu wie eine Luftreinigungsmaschine.« Deutsche Wertarbeit ist seit jeher das Maß der Dinge: »Jedes Auto, das auf den Markt kommt, wird von meinem Team und mir persönlich abgenommen. Qualität ist bei Volkswagen Chefsache. In jedem unserer Autos steckt ein Stück von mir«, konnte man einst den Worten Winterkorns lauschen, der die Parole ausgegeben hatte, Toyota bis 2018 zu überholen.

»Endlich Weltmacht«, würde Kaiser Wilhelm II. denken. Selbstsicher hatte der einst zum Besten gegeben: »Das Auto ist eine vorübergehende Erscheinung. Ich glaube an das Pferd.« Kurz danach wurde er von der Revolution in die Niederlande verjagt – Willi nahm übrigens den Zug.

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