jW online: Ostseetour-Logbuch

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    11.07.2010, 12:00 Uhr

    Auf Wiedersehen, Ostsee - bis demnächst!

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    Eine zeitlose Schönheit, die uns ans Herz gewachsen ist: Die Gaffelketsch »Albin Köbis«

    Etwas wehmütig verließen wir in der Morgensonne die »Albin Köbis«, um in einem Hafencafé Bilanz zu ziehen, die am Montag ausführlich in der Printausgabe erscheint.

    Es ist spät geworden gestern Abend – oder früh geworden heute Morgen. Neben Verlagsmitarbeitern, die eigens aus Berlin nach Stralsund gekommen waren, um mit uns den letzten Abend an Bord zu genießen, besuchten uns Mitglieder der Partei Die Linke, darunter die mecklenburgische Sozialministerin a.D, Marianne Linke sowie der Linksjugend ['solid].

  • Tagebuch
    10.07.2010, 19:00 Uhr

    Buntes Programm in Stralsund

    jW
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    Hafeneinfahrt vor Stralsund
    Unsere »Antörntour« neigt sich dem Ende zu. Nach einer Badepause, die uns durch die Brückenöffnungszeiten aufgezwungen, der Hitze sei Dank aber trotzdem fröhlich genutzt wurde, hat die »Albin Köbis« gegen 18 Uhr in Stralsund angelegt.
    Die jW-Crew auf der schönen Gaffelketsch hat eine hoch interessante Podiumsdiskussion in der »Kulturkirche« verpaßt, über die jW-Autorin Anja Röhl zeitnah berichten wird. Auf dem Podium saßen Jens Knoop von der Linksjugend ['solid] in Stralsund, die  SPD-Bundetagsabgeordnete Sonja Steffen sowie der Leiter der ARGE in Greifswald, Erich Bartels, Dr. Gerd Franz Triebenecker vom Diakonischen Werk in Stralsund und die Kreisvorsitzende der Linkspartei, Marianne Linke.
  • Tagebuch
    10.07.2010, 09:10 Uhr

    »Leinen los«, die Wanderfalken grüßen

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    Blick von der auslaufenden »Albin Köbis« auf den Museumshafen Greifswald
    Mit rund 54 000 Einwohnern ist Greifswald per Definition eine Mittelstadt. Auf uns Berliner, Wahlberliner und Wahlberlinerinnen wirkt es trotzdem sehr kleinstädtisch - was keineswegs nur negativ gemeint ist.
    Zum Beispiel gibt es hier noch Wanderfalken. Da ist sich jW-Redakteur Peter Wolter ganz sicher. Ein Pärchen hat er am Kirchturm gegenüber des St.-Spiritus-Kulturzentrums beobachtet. Wir haben es auch gesehen, hätten aber nicht sagen können, ob es Wanderfalken sind. Außerdem hatten wir leider kein brauchbares Zoom-Objektiv zur Hand.
  • Tagebuch
    09.07.2010, 20:45 Uhr

    Sich fügen heißt lügen

    Claudia Wangerin
    Isabel Neuenfeldt im »St. Spiritus«
    Isabel Neuenfeldt im »St. Spiritus«

    Langsam füllt sich das Greifswalder Kulturzentrum »St. Spiritus« mit jungen und älteren Freunden des 1934 von den Nazis ermordeten anarchistischen Schriftstellers Erich Mühsam. Die Ostsee-Zeitung hat den literarisch-musikalischen Abend für 19:30 angekündigt - eine halbe Stunde später, als er eigentlich anfangen sollte. Unsere Mitsegler Susanne Misere und Peter Bäß stellen Stationen aus dem Leben von Erich Mühsam vor.

    Erste Glossen schrieb er schon als Teenager, 1902 wurde Erich Mühsam Redakteur der Zeitschrift »Der arme Teufel« - später schloß er sich der Gefangenenhilfsorganisation Rote Hilfe an. Und er schrieb, bis ihm im KZ Oranienburg die Hände zertrümmert wurden. »Sich fügen heißt lügen« war sein Motto. »Leb, daß du stündlich sterben kannst, In Pflicht und Freude stark und ehrlich.« Heute vor 76 Jahren wurde Erich Mühsam im KZ erdrosselt.

    Isabel Neuenfeldt, die einige seiner Gedichte vertont hat, greift zum Akkordeon. Energisch singt sie – und gekonnt. Textlich sind vor allem der »Bonzenblues« und die »Weltschändung« von erschreckender Aktualität. Letztere erinnert an die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko:


  • Tagebuch
    09.07.2010, 11:00 Uhr

    Greifswald, wir kommen!

    Kurz vor zehn Uhr ist die »Albin Köbis« mit Kurs auf Greifswald in See gestochen.
    Im kleinen, aber feinen Gager durfte die jW-Crew gestern noch einer Feuerwehrübung beiwohnen. An Bord gab es Gemüsesuppe - für Fleischliebhaber mit Würstchen. Wer davon nicht satt wurde, konnte sich an Land mit Räucherfisch und köstlichem Algensalat versorgen. Eine echte Sehenswürdigkeit war der örtliche Tante-Emma-Laden. Vielleicht einer der letzten seiner Art.

  • Tagebuch
    09.07.2010, 01:00 Uhr

    Krieg und Frieden

    Claudia Wangerin
    Dieses schöne Land führt Krieg
    Dieses schöne Land führt Krieg

    Die Landschaft ist schön. Der Busfahrer ist nett und zuvorkommend. Kein Mensch würde von sich aus auf die Idee kommen, daß er schon auf Kinder und Jugendliche geschossen hat. Aber er hat, so sagt er. Wir kennen uns keine zehn Minuten, aber er verrät damit auch nichts, wofür er ins Gefängnis kommen könnte.

    Das Gespräch ergab sich aus einer Unterhaltung zwischen ihm und einem weiteren Fahrgast über die Arbeitsmarktsituation auf Rügen. Es sieht mager aus. Wenn nicht mit der Arbeit, dann zumindest mit der Bezahlung.

  • Tagebuch
    08.07.2010, 11:00 Uhr

    Unterwegs nach Gager

    jW
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    Ein Hoch auf den Smutje!

    Für Bordverhältnisse ausgeschlafen ist die jW-Crew auf der »Albin Köbis« um neun Uhr morgens von Sassnitz aus in See gestochen und nimmt nun Kurs auf Gager. Auch das liegt auf Deutschlands größter Insel Rügen.

    Und was gibt es in Gager? - »Dort gibt es nichts, nur viele Yachten«, so der Kommentar des Gastgebers unserer Land-Korrespondentin. Das biete allerdings Stoff für soziologische Studien. Vor allen Dingen gibt es aber im Hafen von Gager benutzbare Duschen. Die haben zum Leidwesen unserer Crew in Sassnitz gefehlt. Wer nicht verschwitzt in die Koje ging, hatte Salz auf der Haut.

  • Tagebuch
    07.07.2010, 01:00 Uhr

    Banküberfall in Genua auf Rügen

    Claudia Wangerin
    Seeräuberstück auf der Naturbühne
    Seeräuberstück auf der Naturbühne

    Im Rahmen der Störtebeker-Festspiele auf Rügen erlebten Teile unseres »Landkommandos« nach einem ereignisarmen Tag noch einen actionreichen Abend.

    Gewagt ist die Verknüpfung der Legende vom edlen Räuberhauptmann zur See, der die Reichen überfällt um mit den Armen zu teilen, und der Legende vom Schatz der Templer, die Klaus Störtebeker alias Sascha Gluth nach Granada führt. Beeindruckend sind neben dem Aufführungsort – der Naturbühne in Ralswiek – und den vier dort im Einsatz befindlichen Schiffen vor allem die Leistungen des Pyrotechnikers und der ungarischen Stuntmen. Die beteiligten Pferde, Kamele und Raubvögel glänzen angesichts des Spektakels durch Duldsamkeit. Der Tierschutzverein dürfte von diesem Aspekt weniger begeistert sein.

    Die Mimik der Schauspieler kommt für Zuschauer ohne Fernglas oder Zoom-Objektiv kaum zur Geltung. Damit sich das Antlitz des Hauptdarstellers trotzdem gut einprägt, wurde es unter anderem auf die Etiketten von Mineralwasserflaschen gedruckt, die zu Touristenpreisen am Eingang verkauft werden.

    Wer das Schauspiel genießen will, sollte zugleich eine gewisse Toleranz für und eine gewisse Immunität gegen religiösen Hokuspokus mitbringen. »Der Fluch des Mauren« lastet nämlich auf einem Mädchen namens Maria, dessen Gebete zum Schluß natürlich erhört werden. Klaus Störtebeker alias Sascha Gluth tritt an die Stelle des weißen Ritters; eine Reliquie steht im Zentrum des Geschehens; und Religion an sich ist gut.

  • Tagebuch
    06.07.2010, 14:35 Uhr

    Petrus und die Planken

    Oder die leidige Abhängigkeit von der Technik

    Kurz nach sieben Uhr morgens hat die »Albin Köbis« Rostock mit Kurs auf Hiddensee verlassen, wo sie spätestens um 18 Uhr anlegen soll. Auf den Regenguß der letzten Nacht waren die ausgetrockneten Planken schlecht vorbereitet – was dem Notebook des Kollegen Wolter zum Verhängnis geworden ist, denn im Salon, der dem jW-Team zur See als Schlaf- und Redaktionsraum dient, hat es durchgeregnet.

    »Das unterscheidet Holz von manchem deutschen Beamten – es arbeitet«, versuchte der erfahrene Seemann unter den jW-Redakteuren das Mißgeschick mit Humor zu nehmen. Ob eine gute alte Schreibmaschine das besser verkraftet hätte?

  • Tagebuch
    05.07.2010, 23:00 Uhr

    Hommage an die Aufständischen

    Claudia Wangerin
    Matrosendenkmal von Wolfgang Eckardt am Rostocker Stadthafen
    Matrosendenkmal von Wolfgang Eckardt am Rostocker Stadthafen

    Die Gedenkstätte der revolutionären Matrosen am Rostocker Stadthafen gehört zu jenen Monumenten, die im Osten Deutschlands heute noch unmißverständlich klar machen: Hier war einmal ein anderes Land.

    Unbewaffnet, aber kämpferisch mit geballter Faust zeigt das Denkmal zwei Männer, die sich aus den Trümmern erheben. Eine Hommage an Albin Köbis und Max Reichpietsch, die 1917 zum Tod verurteilten, weil friedensbewegten Matrosen der Kaiserlichen Marine. Neun Meter hoch ragt die Skulptur von 1977 von einem 20 Meter langen Sockel, dessen Relief den Matrosenaufstand und seine Niederschlagung zeigt.

  • Tagebuch
    05.07.2010, 13:00 Uhr

    Die Neuen sind da

    jW
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    Kochplan, Sicherheitsregeln, Toilettenbenutzung: Lutz erläutert das Leben an Bord
    Nicht zum ersten Mal in diesem Sommer erklärt Skipper Lutz Buche die Bord- und Sicherheitsregeln. Um die Mittagszeit sind neben drei weiteren jW-Mitarbeitern sechs neue Mitsegler auf der »Albin Köbis« in Rostock eingetroffen, um die »Antörntour« fortzusetzen. Ein Teilnehmer aus Sachsen besitzt sogar noch einen Segelschein aus DDR-Zeiten. Allerdings nur für Binnengewässer.
    Von Bord berichten in der zweiten Halbzeit Jörn Boewe und Peter Wolter, der die erste Halbzeit im »Landrattenteam« verbracht hat. Statt zwischen Pulverkaffee und handgewaschenen T-Shirts im Dreibett-Zimmer eines ehemaligen FDGB-Heims aufzuwachen, darf er nun bis zum Ende des Törns jeden Morgen frische Seeluft riechen. Layouter Micha Sommer will in den nächsten Tagen seine fotographischen Fähigkeiten zur Geltung bringen.
  • Tagebuch
    04.07.2010, 23:00 Uhr

    Überraschender Besuch an Bord

    Peter Rau
    Robert Rosentreter (Mitte) mit Skipper Lutz Buche (links) und jW
    Robert Rosentreter (Mitte) mit Skipper Lutz Buche (links) und jW-Redakteur Peter Rau
    Sonntag nachmittag im Rostocker Stadthafen. Kurz nach dem Festmachen der "Albin Köbis" kommt überraschender Besuch an Bord des Traditionsseglers und fragt nach dem Skipper.
    Robert Rosentreter, längst im Ruhestand, in den 90er Jahren Pressesprecher des FC Hansa Rostock, danach für einige Jahre auch Pressesprecher der alljährlichen HanseSail, einem der großen internationalen Seglertreffen an der Ostseeküste, und heute noch mit der Pflege maritimer Traditionen befaßt, hat für Lutz Buche ein Geschenk mitgebracht: sein gemeinsam mit Horst Westphal vor Jahrzehnten verfaßtes Buch "Rebellion in der Hölle" über den ersten großen Aufstandsversuch vor der Novemberrevolution in der kaiserlichen Hochseeflotte im Jahr 1917.
  • Tagebuch
    04.07.2010, 17:00 Uhr

    Halbzeit

    jW
    Interaktives Konzert an der Anlegestelle
    Interaktives Konzert an der Anlegestelle
    Zufriedene Mitseglerinnen und Mitsegler verließen heute in Rostock die »Albin Köbis«. Der Törn hat ihnen im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. »Obwohl die Koje für mich doch etwas eng war«, sagt Peter aus Leipzig, der gut zwei Meter mißt. Mit 36 Jahren ist er bereits seit 22 Jahren junge-Welt-Abonnent. Weiteren Segeltouren ist er nicht abgeneigt. »Aber ein Kapitänspatent strebe ich nicht an«, sagt er. Eine Teilnehmerin aus Remagen ist eher zufällig auf die »Antörntour« gestoßen - durch ein Probe-Abo der jungen Welt. »Das hat mich sofort angesprochen. Ich würde mich freuen, wenn es im nächsten Jahr eine Wiederholung gibt.« Segelerfahrung brachte sie von der Flensburger Förde mit.
    Stärkeren Wind hätte sich der eine oder andere Teilnehmer gewünscht - aber da gehen die Meinungen sehr auseinander. Wem zwischendurch mal »das Frühstück aus dem Gesicht gefallen« ist, wird nicht verraten.


  • Tagebuch
    03.07.2010, 19:00 Uhr

    Lesertreffen nach dem Public Viewing

    Claudia Wangerin
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    Nicht alle zeigten uns derart die kalte Schulter: Partyoten in Warnemünde
    Als die deutsche Nationalmannschaft ins Halbfinale einzog, waren beim Public Viewing im Biergarten des »Peter-Weiss-Hauses« für freie Bildung und Kultur in Rostock keine Nationalfahnen zu sehen.
    Der Trägerverein hatte schon zu Beginn der WM darauf hingewiesen, daß diese nicht erwünscht seien. Ein handgeschriebener Aushang mit den Worten »Schwarz-Rot-Gold ist nicht gewollt« hatte selbst in den bürgerlichen Medien für Aufsehen gesorgt.
  • Tagebuch
    03.07.2010, 14:45 Uhr

    Volles Programm

    jW
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    Ankunft in Warnemünde
    Gegen 13:45 Uhr ist die »Albin Köbis« im Ostseebad Warnemünde eingetroffen. Während an Bord eine Podiumsdiskussion und ein Konzert vorbereitet werden, gibt es die junge Welt an der Anlegestelle kostenlos. Einige kennen sie noch aus DDR-Zeiten - so auch der Hafenmeister, der uns wegen eines Kommunikationsproblems mit dem Hafenkapitän kurzzeitig verscheuchen wollte. Die Angelegenheit konnte aber schließlich doch noch einvernehmlich geregelt werden.
    Die junge Welt wird dankbar angenommen
    Die junge Welt wird dankbar angenommen
    Um 18 Uhr wollen wir uns im Peter-Weiss-Haus in Rostock (Doberaner Straße 21) mit Leserinnen und Lesern treffen, um Anregungen, Lob, Kritik und Verbesserungsvorschläge einzuholen.
    Gestresster Hafenmeister (Mitte) mit Sänger Thomas Putensen und
    Gestresster Hafenmeister (Mitte) mit Sänger Thomas Putensen und Skipper Lutz Buche

  • Tagebuch
    03.07.2010, 11:00 Uhr

    Kurzer Report vom "Landkommando"

    Peter Wolter
    Bei der Arbeit im Gewerkschaftsheim
    Die »Albin Köbis« ist heute früh aus dem Yachthafen Kühlungsborn ausgelaufen, Ziel Warnemünde. Auf direktem Wege wird sie es nicht schaffen – jedenfalls nicht unter Segeln: Das Schiff kann bestenfalls 60 Grad am Wind steuern – der aber weht aus Südost, Stärke 3 – 4.
    Die Ketsch muß also unter Segeln erst einen langen Schlag auf See hinaus machen, um dann zu wenden und am Nachmittag Warnemünde ansteuen zu können, wo wir dann als Empfangskomitee auf der Pier stehen. Das letzte Stück wird ohnehin nur unter Maschine gefahren werden können. (Wen es interessiert: Das ist ein Cummins-Diesel mit sechs Zylindern und 160 PS.) Aber immerhin: Der Samstag verspricht für die Genossinnen und Genossen an Bord ein traumhafter Segeltag zu werden.
  • Tagebuch
    02.07.2010, 20:20 Uhr

    Wer war Albin Köbis?

    Peter Rau

    Wie viele seiner Kameraden hat der Namensgeber "unseres" Traditionsseglers zunächst mal nichts mit Meer und Marine zu tun. Doch immerhin ging Albin Köbis, geboren am 18. Dezember 1892 in einer sozialdemokratischen Berliner Arbeiterfamilie - der Vater war Schlosser bei der AEG -, bereits mit 15 Jahren zur See.

    1911 fuhr er als Matrose auf einem Handelsschiff der Westafrika-Linie. Im marokkanischen Hafen von Tanger machte er in jenem Jahr erstmals Bekanntschaft mit des Kaisers Kriegsflotte. Das berüchtigte Kanonenboot "Panther" (Panthersprung nach Agadir) hatte über Funk die Weisung erhalten, den knapp 18jährigen Seemann festzusetzen und von Marokko zurück nach Deutschland zu bringen, wo inzwischen ein Gestellungsbefehl für ihn vorlag.

  • Tagebuch
    02.07.2010, 10:00 Uhr

    Einsatz in der Badehose

    jW

    Es kommt selten vor, daß die junge Welt aus Kühlungsborn berichtet, welches heute von der »Albin Köbis« und dem »Landrattenteam« angesteuert wird.

    Vor gut drei Jahren aber stand das Ostseebad schon fast im Zentrum der Weltgeschichte. Ein unheilvolles Gipfeltreffen fand im benachbarten Heiligendamm statt – und engagierte junge Menschen fielen in der gesamten Region durch vielfältige und kreative Störaktionen auf.

    »Mindestens 12 Teilnehmer der G8-Proteste sind heute beim Schwimmen vor Kühlungsborn von Zivilpolizisten in Badehosen festgenommen worden«, meldete die junge Welt im G8-Spezial-Blog am 8. Juni 2007. »Nach Informationen des anwaltlichen Notdienstes befanden sie sich auf Privatgelände, das zu dem Hotel gehörte, in dem während des G8-Gipfels das offizielle Medienzentrum untergebracht war. Ein Teil der unerwünschten Badegäste sei zunächst von Angehörigen eines privaten Sicherheitsdienstes am Strand festgehalten worden – andere mußten wenig später von leicht bekleideten Zivilpolizisten aus dem Wasser gefischt werden.« Kühlungsborn hat also durchaus eine für unsere Leserinnen und Leser interessante Tradition.


  • Tagebuch
    01.07.2010, 18:00 Uhr

    Botschaft trifft Crew

    Claudia Wangerin
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    Nelson Varona Rodriguez, Kulturattaché der Republik Kuba (links) besucht die Albin Köbis

    Die Station Wismar der jW-Ostsee-Tour steht heute im Zeichen einer revolutionären Karibik-Insel. Vor der Diskussionsveranstaltung mit dem Titel »Yes we can – Terror gegen Kuba«, die um 18 Uhr um Technologie- und Gewerbezentrum am Alten Holzhafen in Wismar begann, fanden jW-Lateinamerika-Redakteur André Scheer und der Kulturattaché der Republik Kuba, Nelson Varona Rodriguez noch Zeit für einen Besuch an Bord der »Albin Köbis«.

    Die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion muß sich gegen strahlend schönes Sommerwetter behaupten - trotzdem haben rund 20 weitere Zuhörer ihren Weg hierher gefunden.

    Weitere Referenten sind Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schulz und der Lateinamerikaspezialist Prof. Werner Pade. Um 20 Uhr wird das Abendprogramm der jW-Ostsee-Tour mit einem Konzert »Gegen alle Kriege und für Dich« von Liedermacher Frank Viehweg fortgesetzt.

  • Tagebuch
    01.07.2010, 14:00 Uhr

    Rote Matrosen vorübergehend verbannt

    Claudia Wangerin
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    Rest eines deutschen Kleinst-U-Boots aus dem Zweiten Weltkrieg

    Wir wollten Kiel nicht verlassen, ohne das Schifffahrtsmuseum in der ehemaligen Fischauktionshalle besucht zu haben. Ein malerisch schöner Ziegelbau direkt an der Förde – aber für das Schifffahrtsmuseum einer diesbezüglich so traditionsreichen Stadt wie Kiel vor allem klein.

    So mußten die Ausstellungsstücke zum Kieler Matrosenaufstand im November 1918 der Sonderausstellung „Nordlandreise – die Geschichte einer touristischen Entdeckung" weichen – und werden wohl in diesem Jahr nicht mehr zu sehen sein. Die Meuterei gegen den Befehl, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges noch gegen die britische Marine auszulaufen, hat nicht weniger als das Ende der Monarchie in Deutschland eingeläutet – aber die Geschichte des deutschen Tourismus nach Norwegen hat wohl in Krisenzeiten Priorität.

    Neben Schiffs- und U-Bootmodellen, Gemälden und Galionsfiguren sowie dem Original-Echolot, einem Anschütz-Kreiselkompaß und anderen nautischen Instrumenten konnten wir außerdem ein Modell des Kieler Brandtauchers, des ältesten U-Boots der Welt, besichtigen.


  • Tagebuch
    30.06.2010, 23:00 Uhr

    Der erste Tag auf See ...

    Peter Rau
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    "Klar bei Fender und Leinen!"

    Pünktlich um acht Uhr hieß es am Mittwoch für Mannschaft und Mitsegler der „Albin Köbis" im Germaniahafen zu Kiel „Leinen los!" Der Gastgeber unserer jW-Antörntour entlang der Ostseeküste, der Traditionssegler mit dem ehrenvollen Namen eines der roten Matrosen und Wegbereiters der Novemberrevolution verließ seinen Liegeplatz im sogenannten Museumshafen der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein. Am Großmast flatterte unsere eigens für diesen Törn angefertigte Flagge mit dem jW-Schriftzug und der Aufschrift unserer aktuellen Abo-Werbekampagne "Sie lügen wie gedruckt. Wir drucken, wie sie lügen."

    Gut anderthalb Stunden später hatten wir die Kieler Außenförde passiert – vorbei an dem nach einem Großadmiral der kaiserlichen Hochseeflotte benannten Tirpitz-Hafen der Bundesmarine am Westufer der Förde und dem unseligen, zur Erinnerung an die deutschen Opfer des U-Boot-Krieges des Ersten und des Zweiten Weltkrieges gestalteten, inzwischen allen Toten auch der zivilen Seefahrt gewidmeten Marine-Ehrenmal von Laboe. Nach dem Ablegemanöver, das noch mit Maschinenkraft erfolgte, wurden beim Segelsetzen alle Hände an Bord gebraucht, natürlich auch die der mitsegelnden „Landratten".

  • Tagebuch
    30.06.2010, 20:00 Uhr

    Ein Schiff wird kommen

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    »Liebeslieder nach 12«: Frank Viehweg
    Und zwar von der Ostsee: Die Künstler der »Antörntour« der jungen Welt
    Am liebsten wäre diese Zeitung ein Piratenschiff. So wie in Monty Pythons letztem Film »Sinn des Lebens« ein Bürohaus, das mitten in der Stadt die Leinen losmacht, die Segel setzt und ab dafür – gegen Kapitalismus, Lügen und Fron. Surfen im Mediendschungel, nicht internetzig-individuell, sondern als Kollektiv sozialistischer Freibeuter.
  • Tagebuch
    30.06.2010, 10:00 Uhr

    Krimiabend in Kiel

    Claudia Wangerin
    Zu WM-Zeiten haben Buchvorstellungen allgemein eher schlechte Karten – dafür kann der Autor sicher sein, dass das Publikum auch wirklich interessiert ist.
    So war es auch am Dienstagabend im Kieler Kulturzentrum „Die Pumpe“. Der Krimi-Autor und Strafverteidiger Heinz Jürgen Schneider entführte seine Zuhörer – darunter die Teilnehmer der jW-Antörntour – in eine düstere Welt: Das präfaschistische Schleswig-Holstein.
  • Tagebuch
    29.06.2010, 23:00 Uhr

    Die jW-Crew ist unterwegs!

    Peter Wolter

    Der große Segeltörn der jungen Welt ist am Dienstag gestartet: Im Kieler Germaniahafen schifften sich gegen Mittag die Mitsegler auf die »Albin Köbis« ein – zeitgleich kam das »Landkommando« an, das die Ostseetour mit dem PKW begleitet.

    Die meisten der Teilnehmer sind Leserinnen und Leser unserer Zeitung, der Rest sind Redakteure bzw. Verlagsmitarbeiter der jW. Die Vorstellungsrunde löste Gelächter aus: Fünf der männlichen Teilnehmer hören auf den Vornamen »Peter«.

  • Tagebuch
    29.06.2010, 12:00 Uhr

    Klarmachen zur Ostseetour!

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    Sommer, Sonne, junge Welt: Heute startet in Kiel unsere »Antörntour« auf dem Traditionssegler »Albin Köbis«. Benannt ist die Gaffelketsch nach dem Matrosen Albin Köbis, einem Vorkämpfer der Novemberrevolution von 1918. Zum Klarmachen liegen wir hier am Ostufer der Innenförde, mitten im Germaniahafen.
    Der Abend wird spannend: Heinz Jürgen Schneider, schleswig-holsteinischer Krimiautor, liest aus seinem Buch »Tod in der Scheune« (2009) sowie aus dem Manuskript seines neuen Krimis »Tod im Störhafen«. Die Pumpe, Haßstraße 22, ab 19 Uhr.
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- Donnerstag, 24. Mai 2012, Nr. 120

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