20.02.2024 / Sport / Seite 16

Wenn Vati auf Ideen kommt

Gabriele Damtew

Tennisbälle sind schon seit Wochen schwer zu bekommen, und mittlerweile auch Flummis. Wohl dem, der auf Tennisklub­bestände oder die Kisten im Kinderzimmer zurückgreifen kann. Jede Menge dieser Bälle waren am vergangenen Wochenende in den oberen und unteren Ligen wieder im Spiel, abgesehen von Fußbällen, die der Sportart ihren Namen gaben. Erstere wurden von unzufriedenen Fangruppen irgendwie in die Stadien geschmuggelt, vermutlich als mehr oder weniger große »Balls« in der Hose, trotz (oder wegen) so mancher Leibesvisitation.

Die Proteste gegen die Investorenpläne der Deutschen Fußballiga (DFL) und den für die drittklassigen Vereine zuständigen DFB gingen also weiter, wurden sogar mehr. Bei Bundesligist Köln und Zweitligist Rostock kreuzten gar ferngesteuerte Autos die Laufwege der Spieler auf dem Rasen, was zu Spielunterbrechungen führte – und zu »Herzrhythmusstörungen« hätte führen können, so Fürth-Coach Alexander Zorniger über den mentalen und körperlichen Zustand seiner hochsensiblen Profis. Was macht es wohl erst mit den armen vergessenen Kindern, die ihre Weihnachtsgeschenke in den rohen Händen von Ordnern und Polizisten wiederentdecken? »Meine Drohne kriegst du aber nicht, Papa, nur über meine Leiche!« Wenn Vati da nächste Woche nicht mal auf Ideen kommt.

Die »verhärteten Positionen« des »in Traditionen festgefahrenen Mobs« der Fans auf der einen, und der geldgierigen Vereinsvorständen und ebensolcher Fußballbürokraten auf der anderen Seite fordern geradezu einen knallharten Vermittler, wofür eigentlich nur UN-Generalsekretär António Guterres in Frage käme, wenn er nicht dringlichere unlösbare Aufgaben hätte. Vielleicht müsste nur einfach eine erneute Abstimmung über die Zulassung von Investoren durchgeführt werden, für deren Ansetzung nur zehn Stimmen der 36 Profivereine Voraussetzung sind. (Wir in Berlin lieben Wiederholungswahlen, die Hertha ist natürlich auch dafür.)

Um den momentan politisch weniger bedeutsamen Bällen in der dritten Liga Aufmerksamkeit zu schenken: In Sandhausen folgte ein Hammer auf den anderen. Nach gerade elf Minuten lag der Gastgeber nach drei einfachen Standards mit 0:3 gegen Tabellenführer Jahn Regensburg zurück. Dann kamen die erwähnten Hämmer. Sechs an der Zahl. Endstand: 6:3. Die auf den Rasen geworfenen Tennisbälle mit folgender Unterbrechung dürften vor allem das angereiste Team gestört haben

Aus der Niederlage des Jahn musste das zweitplazierte Dresden am Sonntag unbedingt seinen Vorteil schöpfen, besonders nach dem überwältigenden 7:2-Sieg letzte Woche gegen Aufsteiger Lübeck. Im Sachsenderby am Sonntag bei Erzgebirge Aue nannten die Dynamo-Ultras die mit 2:1 siegreichen Gastgeber auf Spruchbändern ebenso Schweine wie die Macht ausübende Elite der Funktionäre. Leute, es geht ums Herz. Jeder liebt nun mal seinen Verein.

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