Aus: Ausgabe vom 31.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Nicht noch mehr Millionen

Entlassungen bei Bombardier

Von Johannes Supe

Das »System Bombardier« muss aufhören, besser heute als morgen. Das stelle man sich doch mal vor: Da ist ein Unternehmen, dessen Finanzlage nach eigenem Bekunden gut ist und dessen Auftragsbücher voll sind. Und doch sollen Tausende Beschäftigte rausgeworfen werden. Nicht nur, aber eben auch, in der Bundesrepublik. Entlassen, damit die »Wettbewerbsfähigkeit« noch steigt. »Für die Zukunft«, wie das der Präsident von Bombardier Transportation, Laurent Troger, Mitte Februar süffisant kundtat. Als gäbe es für den Konzern ohne seine Ingenieure, Arbeiter und Forscher ein Morgen.

Das ist ein Skandal. Aber in der BRD wissen Unternehmen wie Bombardier die Behörden auf ihrer Seite. Sicher, bei Bekanntgabe der Arbeitsplatzvernichtung wird kein Minister freundliche Worte finden. Das Geschrei ist dann groß, von einem »Schlag für die Region« die Rede, von mangelnder Verantwortung. Doch zuvor lassen dieselben Landesherren, Staatssekretäre und Beamten die Millionen fließen. So eben, wie das in Sachsen geschehen ist, wo Bombardier über Jahre insgesamt 8,5 Millionen Euro einstreichen konnte.

Ein genaues Hinschauen lohnt sich da. Die meisten Gelder erhielt der Konzern für die Forschung und Entwicklung. Bombardier wollte neue Technologie, der Staat schoss die nötigen Mittel zu. Die Vorhaben wurden stets »erfolgreich abgeschlossen«, das mit Steuergeld Erforschte wird nun vom Konzern produziert. Einen »Technologie- und Wissens­transfer« nennt das Ministerium das.

Da sei doch einmal die Frage erlaubt, wem das nützt. Den Arbeitern und Ingenieuren ja wohl nicht. Deren Stellen sollen nun vernichtet werden. Auch dem Bundesland Sachsen dürfte nicht geholfen sein. Der Staatssekretär Stefan Brangs spricht jedenfalls von einem »großen Wissensverlust« für den Freistaat durch Bombardiers Rückzug.

Genau darin liegt aber das »System Bombardier«. Die Beschäftigten kommen zu Schaden, doch die Profite steigen. Neue Technologie ist teuer, zahlen soll’s der Staat. Und das hat er noch in jedem Fall. Stets mit dem Geld der Steuerzahler, will heißen: mit Beträgen, die zu großen Teilen vom Lohn der Beschäftigten abgezwackt werden.

Leider lässt sich das nicht so leicht ändern. Schon gar nicht durch die Wahl einer neuen Partei. Als Bombardier in Sachsen 2008 die ersten Fördermittel bewilligt wurden, da stand mit Thomas Jurk ein Sozialdemokrat an der Spitze des Wirtschaftsministeriums. Ihm folgte ein Mann der FDP; die Gelder flossen weiter. Mittlerweile liegt das Ministerium wieder in der Hand der SPD. Und in Brandenburg, wo neben den Sozialdemokraten die Linkspartei regiert, hat das Kabinett bereits Millionen angeboten, um Bombardier im Land zu halten.

Die Gewerkschaften, in diesem Fall die IG Metall, tun gut daran, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Streik sollte da nicht nur ein Schlagwort für die nächste Rede bleiben. Das dürfte sich als hundertmal effektiver herausstellen als das Hoffen auf diesen Staat. Der hält das »System Bombardier« erst am Laufen.

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