Aus: Ausgabe vom 30.03.2016, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Türkische Realsatire

Erdogan und die Medien

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Satire darf alles, das wurde bereits hinlänglich diskutiert. Dass sie auch vieles kann, hat sich in den vergangenen Tagen gezeigt. Da bestellt das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter im Land ein, wegen eines zweiminütigen Beitrags der NDR-Sendung »extra3«, in dem sich die Autoren über Präsident Recep Tayyip Erdogan lustig machen. Realsatire nennt man es wohl, wenn er in Gutsherrenart gegen die deutschen Medien vorgehen will, wenn ihm dort »großosmanische« Absichten unterstellt werden. Zumindest hält er das diplomatische Protokoll ein und versucht nicht, die verantwortlichen Redakteure verhaften zu lassen. Das macht er nur mit inländischen Journalisten. Dagegen protestieren lediglich Nichtregierungsorganisationen, dem Geldfluss europäischer Regierungen in sein Land tut diese Einschränkung der Pressefreiheit keinen Abbruch. So wundert es nicht, dass das Auswärtige Amt sich nicht zu den Vorgängen äußern will. Ein wohlgestimmter »Boss vom Bosporus« ist wichtiger als Meinungsfreiheit. (cwr)

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