Aus: Ausgabe vom 23.03.2016, Seite 16 / Sport

Vielleicht kann Tennis leben

Um den Sport steht es nicht gut. Im Turnier Indian Wells dominierten Langeweile und miese Kommentare gegen Frauen. Jetzt folgen die Konsequenzen

Von Johannes Supe
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Nicht nur beim Aufschlag stark: Tennisprofi Serena Williams setzte sich gegen diskriminierende Kommentare zur Wehr

Tennis stirbt. Und Indian Wells hat sich einmal mehr als aufstrebender Totengräber erwiesen.« Zu dem Schluss kam gestern Kollege Peer Schmitt an dieser Stelle. Seine Argumente: Die Diskrepanz in den Preisgeldern für Männer einerseits und Frauen andererseits sei frappierend. Der Profiverband diktiere auch den Frauen die Verhältnisse, unter denen gespielt wird. Mit seinem Beharren auf langsamen Böden ruiniere er dabei den Sport. Und dann fiel der Turnierdirektor von Indian Wells auch noch mit »sexistischem Dreck« auf. Alles wahr. Aber vielleicht kann Tennis ja noch wiederbelebt werden? Ordentlich draufkloppen soll ja helfen, wenn das Herz mal aufgehört hat zu schlagen. Zumindest eine kleine Hoffnung auf Reanimation macht diese Meldung: Besagter Turnierdirektor Raymond Moore musste seinen Hut nehmen.

Nur Stunden nach seinen Ausfällen trat Moore zurück. Als »irrtümliche Kommentare« will er seine Äußerungen gewertet sehen. Die Entscheidung teilte er dem Besitzer der »BNP Paribas Open«, Larry Ellison, mit. In einem Statement vom Montag abend auf der Turnierhomepage verkündete Ellison dann: »Ich kann seine Entscheidung vollkommen verstehen.« Ein Meister des Understatements, dieser Ellison.

Durch die Tennisgemeinde war da jedenfalls schon ein Ruck gegangen. »Wir Frauen sind einen langen Weg gegangen und sollten niemals vor irgend jemandem auf die Knie fallen«, hatte Serena Williams erklärt. Sie hatte das Finale gegen Wiktoryja Asaranka bestritten, dort allerdings verloren. Auch der Chef des Herrenverbands ATP, Chris Kermode, distanzierte sich von Moore. »Abfällig und geschmacklos« seien dessen Kommentare gewesen.

Gesagt hatte der: »Wäre ich eine Spielerin, würde ich jeden Abend auf die Knie gehen und dafür dankbar sein, dass Roger Federer und Rafael Nadal geboren wurden, denn die haben das Spiel zu dem gemacht, was es ist.« Die Frauen nannte er dann auch noch »Lady Player«, als seien sie spielende »Damen« oder »höhere Töchter«.

Doch Moore war nicht der einzige, der die Klappe aufriss nicht halten konnte. Tennisass Novak Djokovic fühlte sich ebenfalls bemüßigt, die Unterschiede bei den Preisgeldern zu rechtfertigen. Männertennis würde von mehr Menschen geschaut als die Spiele der Frauen. »Das ist einer der Gründe, warum wir vielleicht mehr bekommen sollten«, so Djokovic. Und weiter: »Die Frauen sollten dafür kämpfen, was sie für angemessen halten, und wir sollten dafür kämpfen, was wir für angemessen halten.« Unwidersprochen blieb auch das nicht.

Die 18malige Grand-Slam-Siegerin Martina Navratilova antwortete ihm. Männer und Frauen müssten selbstverständlich dasselbe verdienen, wenn sie in kombinierten Turnieren antreten. »Ich dachte, wir hätten das Thema längst abgehakt.« (mit Material von sid und dpa)

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