Aus: Ausgabe vom 22.03.2016, Seite 16 / Sport

Aufs Ende gehofft

Aus den Unterklassen

Von Marek Lantz
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Torschütze Damir Kreilach von Union rutscht nach dem 3:1 gegen Eintracht Braunschweig auf dem Bauch auf dem Rasen

Die beste Nachricht des Unterklassenfußballwochenendes kam schon am Freitag abend aus Berlin. 77 Minuten waren an der Alten Försterei gespielt, Union führte im Zweitligamatch gegen Eintracht Braunschweig mit 2:1 (Endstand: 3:1), als Aushilfstrainer André Hofschneider seine erste Auswechslung vornahm. Alle Zuschauer erhoben sich, denn der vierte Offizielle zeigte auf seinem Elektrotäfelchen die Nummer sieben an. Gut ein Jahr nach seiner Lymphdrüsenkrebserkrankung kehrte Benjamin Köhler auf den Fußballplatz zurück. »Das war natürlich sehr emotional«, freute sich der 35jährige hinterher.

Tags darauf feierte dann in der gleichen Liga ausgerechnet jener Trainer ein rauschhaftes Comeback, der Köhler in dessen Frankfurter Zeit immer wieder Rückendeckung gegeben hatte. Damals war der wuselige Techniker vor allem für die bornierte Blutgrätschenfraktion unter der Anhängerschaft ein rotes Tuch. Bundesliga-Urgestein Friedhelm Funkel trieb seine neue Mannschaft Fortuna Düsseldorf zu einem 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Funkel ist der Inbegriff der von seinem alten Weggefährten Heribert Bruchhagen glorifizierten »Stollenschuhhaftigkeit« im Trainerbetrieb.

Mit dem Sieg verließ die Fortuna die Abstiegsränge, während der FCK nun plötzlich auf der Hut sein muss. An der Spitze der institutionalisierten Zweitklassigkeit haben sich derweil bereits die drei Aufstiegskandidaten abgesetzt. Zum ziemlich gegensätzlichen Duo RB Leipzig und SC Freiburg gesellte sich am Sonntag der 1. FC Nürnberg hinzu. Er schlug die Brausebüchsen in einer hochklassigen Partie mit 3:1.

Eine Etage weiter unten wurstelt Dynamo Dresden weiter dem Aufstieg entgegen. Beim enttäuschenden 2:2 gegen Hansa Rostock kassierte man den Ausgleich noch in der Schlussminute. Dynamo-Coach Uwe Neuhaus schäumte: »Beim Freistoß zum 2:2 war es wie in der Bibel. Auf einmal öffnet sich die Schleuse, und jeder kann durchmarschieren.« Sein Rostocker Kollege Christian Brand dagegen: »Man darf nie aufgeben, egal ob beim Fußball, Kartenspielen oder Würfeln.«

Dennoch führt Dynamo die Tabelle nach wie vor mit großem Vorsprung an. Der erste Verfolger bleibt neun Zähler zurück: Erzgebirge Aue. Der Verein fertigte den Halleschen FC mit 4:0 ab. Mächtig stolz dürfte das Spiel Bundestorwarttrainer Andreas Köpke gemacht haben. Dessen Sohnemann Pascal, im Winter aus Karlsruhe ins Erzgebirge gewechselt, traf bei seinem Startelfdebüt im Veilchen-Trikot gleich dreimal. HFC-Coach Stefan Böger hatte daran naturgemäß weniger Spaß: »Unterirdisches Zweikampfverhalten«, bescheinigte er seiner Elf und gestand: »Ich habe den Schlusspfiff herbeigesehnt.«

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