Aus: Ausgabe vom 22.03.2016, Seite 14 / Feuilleton

On Air. Die nächsten Tage im Radio

Wetterwarte

Von Rafik Will
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Seit dem Mittelalter ein verlässlicher Windrichtungsungsanzeiger: der Wetterhahn

Das Erscheinungsbild des WDR-Hörfunks ändert sich zur Zeit erheblich. Ab Juli wird das Funkhaus Europa einem neuen Programmschema folgen. Anfang März segnete der Rundfunkrat des WDR die Programmreform für den interkulturellen Radiosender ab. Muttersprachliche Angebote (türkisch, russisch u. a.) werden in ihrer wöchentlichen Sendezeit um etwa die Hälfte gekürzt. Musikjournalistisch aufbereitete Autorensendungen fallen zu einem großen Teil weg. Die bisher speziell für Funkhaus Europa produzierten Nachrichten von Radio Bremen ersetzt der WDR durch Nachrichten einer der eigenen Wellen. Gegen diese Reformen wendet sich eine Onlinepetition mit dem Titel »WDR kills the Radio-DJ«.

Bevor es dem DJ an den Kragen geht, versuchen sich Martin Becker und Schorsch Kamerun am Vatermord – und der kann lange dauern, denn »Väter haben sieben Leben« (WDR 2014; Di., 22.3., 19 Uhr, WDR 3 und 23 Uhr, 1Live), wie ihr Hörspiel schon im Titel verrät. Verschiedene anonyme Interviewpartner erzählen von konkreten Erfahrungen mit ihren Vätern. Dramaturgisch eingespannt werden diese O-Töne in den Rahmen einer fiktiven »Psychogala«. Hinzu kommen eine vom »Vätersupermarkt« albträumende Erzählerin, ein derangierter Übervater, der einen im »Land der Väter« begrüßt (»Frohe Ostern, ihr Weihnachtsmänner!«) und die wie immer großartigen Songs von Schorsch Kamerun.

Eine multiperspektivische weibliche Sicht auf das Dasein als Inselbewohner bietet das Feature »Diese Wunde Sizilien. Drei Frauen und ihre Insel« (DLF/ORF 2016; Ursendung Di., 22.3., 19.15 Uhr, DLF und ORF Sa., 26.3., 9 Uhr, ORF Ö1) von Heike Brunkhorst und Roman Herzog. Beinahe zeitgleich startet der vierteilige Mysterythriller »Kilroy was here« (SWR 2015; Ursendung Teil 1 von 4 Di., 22.3., 19.20 Uhr, SWR 2) von Robert Weber. Im Zentrum steht die titelgebende Figur des mutmaßlich mehr als hundert Jahre alten Superschurken Kilroy, der in der ersten Episode einen großangelegten Kunstraub durchführt. Im weiteren Verlauf der Serie wird dann ganz tief in die Verschwörungskiste gegriffen, wobei sich zeigt, dass Robert Weber ein glückliches Händchen für komische Momente hat.

In ihrem stark musikalisch geprägten O-Ton-Hörspiel »Metamorphosen« (DLF 2015; Di., 22.3., 20 Uhr, DLF) beschäftigen sich Florian Goldberg und Heike Tauch mit der internationalen Zusammenarbeit unter Musikern.

Kollektive Amnesie lautet das Thema, dem sich Christian Udo Eichner und Tristan Vostry in »Der Tod des Archivars« (WDR 2014; Mi., 23.3., 21 Uhr, HR 2 Kultur) widmen. Aus einer Radiostation heraus kämpft ein Bewohner der vom Vergessen befallenen Stadt Lethe mit einer Livesendung gegen die Erosion seiner Erinnerung an. Tristan Vostry ist am selben Abend auch mit dem Feature »Wolken, Wind und Wetterwarte« (MDR 2016; Ursendung Mi., 23.3., 22 Uhr, MDR Figaro/RBB Kulturradio) zu hören, das sich dem Wandel in der Meteorologie, der der zunehmenden Computerisierung geschuldet ist, zuwendet.

Mit Angststörungen setzten sich J. Biberkopf und Marija Jones in  »GAD Technologies« (DKultur/CTM-Festival 2016; Ursendung Fr., 25.3., 0 Uhr, DKultur) auseinander. Science-Fiction-Fans können sich über Stanislaw Lems »Professor Tarantogas Sprechstunde« (BR 1977; Fr., 25.3., 21 Uhr, Bayern 2) und »Mondnacht« (BR/NDR/SDR/SFB 1976; So., 27.3., 18 Uhr, MDR Figaro) freuen. Heimerziehung im früheren Westdeutschland wird in Regina Leßners Feature »Mein ganzes Leben ist eine Akte. Maria Ford, Az. FS 53124« (NDR 2016; Ursendung Fr., 25.3., 21 Uhr, NDR Info) aufgearbeitet. Eine hörenswerte Adaption von Al­fred Jarrys »Ubu Roi/König Ubu« (BR/NDR/ORF 1990; Sa., 26.3., 15 Uhr, Bayern 2) stellt den Klassiker der Woche. Und schließlich ermittelt erneut Hansjörg Schneiders pensionierter Kommissär Hunkeler in  »Hunkelers Geheimnis« (SRF/SWR 2016; Ursendung Teil 1 von 4 Mo., 28.3., 14 Uhr, SRF 2 Kultur).

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